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Thema: Im Namen des Volkes...Sexualität im Knast

  1. #1
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    Pfeil Im Namen des Volkes...Sexualität im Knast

    Im Namen des Volkes...

    ...wird der Angeklagte zu XX Jahren Sexentzug verurteilt

    Ihre Stimme am Telefon - zart und bedächtig, fordernd und ängstlich. Diese ihre Stimme hallt nach, wenn ich an Sexualität im Knast denke. Sexualität im Knast - eine Realität, die so schwer zu leben ist. Wahrscheinlich habe ich mir erst im Knast Gedanken über meine Sexualität gemacht, als es diese Stimme am Telefon nie mehr für mich geben sollte.

    Das war vor drei Jahren. Und dann sah ich nur noch Männer um mich herum, für die alle Sexualität im Knast noch ein Tabuthema ist, nichtsdestotrotz jeden von uns aber bewegt. Ich glaube, dass Sexualität im Knast wesentlich gefühlsorientierter ist als draußen. Man(n) giert förmlich nach Nähe und Zärtlichkeiten. Doch darüber offen zu reden, ist für viele nicht möglich.

    Und genau da liegt auch die Gefahr: Die Männer trocknen einfach aus, stumpfen ab und verrohen auf der Gefühlsebene. Insbesondere für Langstrafer ist es nach der Strafverbüßung kaum noch möglich, eine Beziehung aufzubauen, da fast alle über Jahre hinweg keine kontinuierliche Partnerschaft hatten.

    Einigen wenigen ist es vergönnt, einmal monatlich für fünf Stunden in den Genuss der sogenannten Familiensprechstunde zu kommen. Dafür stehen drei extra "wohnlich" eingerichtete Zimmer zur Verfügung. Und dort ist Mann dann auch allein mit seiner Familie/Frau/Freundin. :-)

    Ich glaube, dass die meisten weggesperrten Leute hier nicht besser werden, das pure Wegschließen hilft jedenfalls kaum, ein neues Leben aufzubauen. Oder doch?

    Geschrieben von Dittmar in der JVA-Tegel
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  2. #2
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    Die neue Freundin

    Die neue Freundin

    Ich bin ein Mensch, der eine feste Partnerschaft braucht, um richtig glücklich zu sein. Eine Partnerschaft bedeutet für mich aber auch, Geborgenheit zu geben und Verantwortung zu übernehmen.

    Nach drei langen Jahren habe ich nun eine Frau über eine Kontaktanzeige kennengelernt, die mit meiner Haft und meinem Delikt keine Probleme hat. Nun ist es so, dass ich diese Frau auch sehr gern habe, und genau da liegt das Problem: Hier im Knast ist es in meinen Augen sehr, sehr schwer, eine Beziehung zu haben und zu halten, oder aber auch, eine neue Beziehung einzugehen.

    Das Wissen darüber, dass ich außer Telefonieren und 4x 30 Minuten Besuch im Monat einer Frau von hier aus nichts weiter bieten kann, das macht mir Angst - Angst vor der Ohnmacht, nicht helfen zu können, einfach nicht für den anderen da sein zu können, zuzuhören, Trost zu spenden, in den Arm zu nehmen - körperliche Nähe zu spüren und spüren zu lassen.

    Und trotz des Glücks der ersten Umarmung, des ersten scheuen Kusses nach drei Jahren Eremitendasein: Ich konnte mich nicht aus dieser Angst befreien. Sie hat nun einen Mann gefunden, der da draußen für sie da ist.

    Manchmal wird sie mich besuchen kommen. Wir werden uns austauschen. Es gibt eine neue Beziehung zwischen drinnen und draußen.

    Dittmar aus der JVA-Tegel (Berlin)

  3. #3
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    Auf der Zunge brennt er jedem Gefangenen

    SEX!!!

    Auf dem Planeten Tegel ist Sex fast täglich ein Thema unter den sich hier Aufhaltenden. Es wird viel darüber geredet, weil die wenigsten diesen haben.

    Als Langstrafer (ab 5 Jahre) hat man(n) die Möglichkeit, einen sogenannten "Langzeitsprecher" zu beantragen, welcher bei einer nachweislich dauerhaften Beziehung auch genehmigt wird (in der Regel zumindest). Man(n) kann aber auch einen solchen Langzeitsprecher für Familiensprechstunden nutzen (Eltern, Geschwister etc.) Was ist eine Langzeitsprechstunde? Eine Langzeitsprechstunde geht über fünf Stunden, in denen der Gefangene mit seinem Besuch ungestört die Zeit nutzen kann.

    Die Räumlichkeiten bestehen aus einem großen Raum, welcher durch eine Wand mit Durchgang "getrennt" ist, Toilette, Dusche und einer Kochgelegenheit. Der große Raum ist aufgeteilt in den sogenannten Wohnraum und den sogenannten Kinderraum, wo sich in einer Ecke auch die Kochgelegenheit befindet.

    Wer keine Langzeitsprechstunde hat, greift auf seine Phantasie oder eine Schwinge zurück. Wie es dann weiter geht, brauche ich wohl nicht zu erklären. Homosexualität ist natürlich auch hier ein Thema. Es gibt einige, die sich offen dazu bekennen, und es gibt wie draußen auch hier "Versteckte". Soweit mir bekannt ist, gibt es aber keine Probleme, wenn jemand offen zu seiner Homosexualität steht - vielleicht vereinzelt ein paar Kleinigkeiten, aber nichts Ernstes, so dass die Leute auch ihre "Ruhe" haben.

    Das Thema AIDS wird auf dem Planeten Tegel groß geschrieben, so besteht die Möglichkeit, sich bei der Arztgeschäftsstelle Kondome zu holen und auch einen AIDS-Test machen zu lassen. Des weiteren gibt es Beratungsmöglichkeiten über "Mann-o-Meter", einem Verein für Homosexuelle. Das Thema AIDS wird aber leider nur beim Thema Sex großgeschrieben, beim Thema Drogen wird dieses Problem leider schnell vergessen.

    Das aber ist schon wieder ein anderes Thema.

    von Thomas J. aus der JVA-Tegel

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