Gekifft wird am Wochenende

Warum auch im Knast Haschisch legalisiert werden sollte !

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Erfahrungsbericht von Thoams R.

In der JVA Tegel gibt es - wie in jedem anderen deutschen Gefängnis auch - Drogenkonsumenten aller Art. Wir wollen hier nicht Konsumenten oder "Dealer" bloßstellen, sondern an Beispielen deutlich machen, wie die Konsumenten vor, während und nach der Zeit ihrer Haft mit ihrer Sucht umgehen, und welche Konsequenzen sich für sie selbst aus ihrem Konsum (und dessen Folgen) ergeben.

Zwei Betroffene, aus Gründen der Anonymität "A." und "B." genannt, berichteten uns von ihren Erfahrungen; beide sind ehemalige DDR-Bürger, die vor der Wende keinen Kontakt zu Drogen hatten (wenn man vom Alkohol, immerhin Volksdroge Nummer Eins, einmal absieht...). Beide haben eine bewegte Jugend hinter sich. "A." war wegen versuchter Republikflucht bereits zu DDR-Zeiten inhaftiert worden, während "B." einige Zeit seiner Jugend im damaligen Jugendwerkhof verbrachte. Beide kamen nach der Wende mit Haschisch in Kontakt und konsumierten dies auch mehr oder minder regelmäßig. "B." testete außerdem - je nach Angebot sowie Lust und Laune - LSD-Paper. Alkohol wurde von beiden nach wie vor konsumiert.

Etwa Ende 1993, Anfang 1994 bekam A. dann durch eine damalige Bekannte erstmals Kontakt zu Kokain und Heroin, und er fand seinen Einstieg in die "Szene". Er entwickelte sich zum Beschaffungskriminellen, wobei das erbeutete Diebesgut anfangs kleine Mengen umfasste. Diese nahmen dann allerdings - parallel zum Drogenkonsum - stetig zu, später dealte A. dann auch selbst mit Drogen, um seine eigene Sucht finanzieren zu können. A. sagt heute, dass er bei seinen Beutezügen zunehmend rücksichtsloser und kaltblütiger wurde, quasi zum "Räuber".

Als feststand, dass A. früher oder später wegen seiner Eigentumsdelikte in den Knast gehen würde, begann er einen Entzug auf Kodein-Basis - vor allem aus Angst vor den Entzugserscheinungen beim "kalten Entzug" im Knast. Seit seiner Inhaftierung bezeichnet er sich selbst als "clean", kann andererseits aber einen Rückfall nicht hundertprozentig ausschließen, wenn er aus der Haft entlassen ist. Für Ende 1999 wurde A. eine Therapie zugebilligt; A. ist sich nach eigenen Angaben aber durchaus bewusst, dass der Wille zur Therapie und deren (erfolgreiche?!) Durchführung letztlich zweierlei ist - wir hoffen, dass er sie packen wird. "B." hatte sich vor seiner Festnahme gerade von seiner damaligen Lebensgefährtin getrennt und verspürte nicht zuletzt aus diesem Grund eine unbestimmte Unsicherheit. Ein gewisses Bedürfnis nach Rauschmitteln war zwar bei ihm vorhanden, andererseits aber auch die Ungewissheit hinsichtlich der Wirkung von Rauschmitteln angesichts seiner psychischen Situation. Würden sich Depressionen einstellen?

Als B. im Knast mit Drogen in Kontakt kam, stellten sich seine Befürchtungen jedoch bald als unbegründet heraus. Der erste Kontakt ergab sich, als er zum Jahreswechsel Kleber schnüffelte.

"Echte" Drogen waren zwar in ausreichendem Maße vorhanden, doch fehlte ihm dafür das Geld. Doch auch, als B. - er hatte eine Arbeit und somit ein geringes Einkommen - über ein wenig Geld verfügte, vermied er zunächst jeglichen Kontakt zu Haschisch oder härteren Drogen.

Da B. um die Wirkung von Haschisch wusste, befürchtete er, dass sich seine angespannte psychische Situation noch verschlechtern würde, wenn er anfing zu "kiffen". Als er dann jedoch bei einem Mitgefangenen dazu eingeladen wurde, nahm er das Angebot an -und stellte überrrascht fest, dass genau das Gegenteil von der befürchteten Wirkung eintrat, er also eher Depressionen abbaute, denn aufstaute.

Von da an beschaffte sich B. für ca. 10 DM wöchentlich Haschisch (ca. 0,5 g). Er versuchte sich auch an Pillen und Beruhigungsmitteln, hier blieb es jedoch bei "Tests". Wegen eines Versorgungsengpasses mit Haschisch griff B. einmalig auch zu Heroin, welches ihm aber nach eigenen Angaben ein weniger gutes Gefühl gab als Cannabis. Zum Zeitpunkt des Interviews hat sich sein Haschkonsum auf ca. 10-20 DM pro Monat eingependelt. (Geraucht wird meist am Wochenende, weil hier die Entdeckungsgefahr am geringsten ist.)

B. ist überzeugt, dass er auch nach seiner Haftzeit Hasch konsumieren wird, dem Alkohol - mit dem er, im Gegensatz zum Cannabis, nur negative Erfahrungen machte - aber völlig entsagen will. Durch den gelegentlichen Hasch-Konsum sieht er sich imstande, in seinem Kopf "aufzuräumen" und sich von allem Negativen zu befreien. Dies spiegelt im Großen und Ganzen auch die Meinung anderer Hasch-Konsumenten wieder, die wie A. und B. zu ihrem Laster stehen und dies genießen.

Alle, die sich zu diesem Thema (mehr oder weniger ausführlich) äußerten, vertreten die Meinung, durch den Konsum von Haschisch in keine körperliche Sucht zu verfallen. Außerdem erleichtert Haschisch die Bewältigung verschiedener Situationen, die ansonsten die Psyche belasten und an einem Ort wie unserem schnell eskalierend wirken könnten.

Aus Angst vor anstaltsinternen Sanktionen, welche der Konsum von Cannabis meist nach sich zieht (wenn er denn festgestellt und nachgewiesen wird), sind vielfach schon ehemalige Hasch-Raucher im Knast auf härtere Drogen umgestiegen. Im Gegensatz zu Cannabis sind andere Drogen nicht allzu lange im Urin nachweisbar und werden dementsprechend bei Urinkontrollen (UK) nach kurzer Zeit nicht mehr aufgefunden. Und so bleibt zu befürchten, dass durch die Illegalisierung von Haschisch im Knast auch in Zukunft viele Gefangene sich in die Abhängigkeit von Heroin und Co. begeben...

(Bericht aus der JVA Tegel von Thoams R.)