Hallo an alle,
seit etwa 7 Jahren weiss ich, dass ich mich mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert habe.

Bei mir handelt es sich um den Genotyp 1, der am wenigsten auf die zur Zeit aktuelle Standardtherapie mit Interferon und Ribavirin anspricht. Das Virus greift die Leber an, so dass sich in vielen Fällen eine Leberzirrhose und manchmal auch ein Leberzellkarzinom bildet. Meine Leber befindet sich in einem Vorstadium, eine sogenannte Fibrose mit mittlerem Entzündungsgrad. Vor kurzem wurde gerade mal wieder eine Magnetresonanz-Tomographie meiner Leber durchgeführt, weil ein Tumormarker (AFP) relativ hoch ist, die Thrombozyten relativ niedrig sind, auf der letzten Tomographie ein paar verdächtige Stellen waren und, und, und ... ich weiß mal wieder nicht genau, warum noch, aber meine Hepatologin passt mit auf ... Ich erfahre das Ergebnis in den nächten Tagen und hoffe natürlich, dass sich kein Karzinom gebildet hat.

Wegen der starken Belastung für die Leber bin ich oft sehr müde. Das wirkt sich auch auf meine berufliche Leistungsfähigkeit aus. Nachdem ich also vor sieben Jahren herausgefunden habe, warum ich mich so oft schlapp fühle, war es geradezu eine Erleichterung für mich, zu erfahren, dass diese "Energiekrisen" nicht einfach eine Art Willensschwäche darstellen, sondern das Ergebnis einer Krankheit sind, die ich mir nun wirklich nicht ausgesucht habe. Auf diese Müdigkeit habe ich mich inzwischen eingestellt, beruflich habe ich zwei Gänge heruntergeschaltet und lege - wann immer das möglich ist - während des Tages Ruhepausen ein ... ... wie schon mein Opa vor mir ...

Sei zwei bis drei Jahren habe ich Juckreiz dazubekommen. Das ist noch unangenehmer als die Müdigkeit ... zum aus dem Fenster springen ...

Es gibt Tage, an denen es mir praktisch nicht möglich ist, zu arbeiten, weil ich mich überhaupt nicht konzentrieren kann. Während solcher Schübe neige ich natürlich zu Aggressionen und Depressionen und kann manchmal mehrere Nächte lang kaum schlafen. Gegen den Juckreiz habe ich schon alle möglichen Ärzte besucht und alle möglichen Mittel ausprobiert: Antihistaminika, Quantalan, Salben usw., aber nichts hat geholfen.

Seit ca. zwei Jahren verwende ich Cannabis gegen den Juckreiz. Es wirkt bei mir entspannend, stimmungsaufhellend, appetitanregend und Schlaf fördernd. Ich bereite mir Auszüge zum Baden und Salben zu und rauche manchmal tagsüber, in der Regel aber abends, etwa 1/2 Stunde vor dem Einschlafen. Ich kann danach besser einschlafen, bin besser ausgeruht und besser in der Lage, zu arbeiten, d.h. seither hat sich meine Lebensqualität entscheidend verbessert ... ... Ich muss sagen, ich bin wirklich sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Von belastenden Nebenwirkungen habe ich bisher noch nichts wahrgenommen - außer, dass ich mich beim Essen etwas zurückhalten muss. Die Verwendung von Cannabis ist sowohl mit meiner Hausärztin als auch mit meiner Hepatologin abgesprochen.

Übrigens habe ich bisher noch keine Interferon/Ribavirin-Therapie durchgeführt. Meine Chancen auf Eliminierung des Virus nach einer bis zu 1-jährigen Therapie liegen bei meinem Geschlecht, Alter und Leberwerten lediglich bei ca. 25%. (auf Grundlage von Studien der Uniklinik Homburg). Deshalb und weil die Nebenwirkungen in aller Regel nicht gerade von Pappe sind, habe ich mich bisher gegen eine Therapie entschieden. Aber zur Zeit reift in mir der Entschluss, womöglich doch noch eine Therapie zu beginnen. Mal sehen ...

Ich bin Mitglied in einer lokalen Selbsthilfegruppe für Hepatitis-C-Betroffene und kenne deshalb einige Kranke, die sowohl während einer Interferontherapie als auch ohne Therapie Cannabis mit Erfolg gegen die Nebenwirkungen der Therapie bzw. Auswirkungen der Krankheit einsetzen.

Falls ihr Fragen habt, werde ich gerne versuchen, diese zu beantworten.

Viele Grüße
Thomas