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Thema: was tun bei hausdurchsuchung ?

  1. #1
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    Frage was tun bei hausdurchsuchung ?

    hallo alle,

    ich denke, das thema hausdurchsuchung ist fuer viele unserer leser interessant.

    und fuer manche vielleicht dringend notwendig.
    wichtig ist vor allen dingen, vor einer hausdurchsuchung bescheid zu wissen.

    beim http://cannabis-archiv.de hab ich nen passenden link gefunden.
    hier die zusammenfassung, der link ist umfassender.

    Kurze Zusammenfassung für Notfälle

    1. Keine Panik.
    2. Kommen die Beamten, und haben sie keinen schriftlichen Hausdurchsuchungs- befehl - schicke sie höflich weg.
    3. Haben sie einen Hausdurchsuchungsbefehl, oder berufen sich auf "Gefahr im Verzug" - mußt du sie hereinlassen. Davor das Papierstück genau durchlesen! Und laß' sie nur das tun was drauf steht. Bei Abweichungen daran erinnern.
    4. Nicht einschüchtern lassen, du darfst dich frei bewegen und auch telefonieren - sofort einen Anwalt anrufen!
    5. Keine Fragen beantworten, lediglich die Personalien dürfen festgestellt werden. Mit den Beamten nicht reden, keine Aussagen, immer auf den Anwalt verweisen.
    6. Wichtig: Was immer du auch unterschreibst, paß' darauf auf, daß immer "nicht einverstanden" und "beschlagnahmt" etc.. angekreuzt sind. Die Liste der Sachen die sie beschlagnahmt haben, und das Protokoll nicht unterschreiben.
    7. Nach der Durchsuchung den Anwalt Einspruch einlegen lassen.

    quelle: http://cannabis-archiv.de/politik/hausdurchsuchung.html
    ich hoffe, es kann jemand etwas damit anfangen.

    love and light
    auge
    ? sind gefangene im drogenkrieg eigentlich kriegsgefangene ?
    --
    wer rechtschreibfehler findet, darf sie behalten, denkfehler nehme ich gern zurueck !

  2. #2
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    Re: was tun bei hausdurchsuchung ?



    ich hoffe, es kann jemand etwas damit anfangen.
    lieber nicht

    aber ernsthaft:

    ich halte es-abweichend von den allgemein geltenden Regeln bei einer Hausdurchsuchung, für angebrachter, der Polizei sofort zu sagen, dass es um eine medizinische Verwendung geht und der Beschlagnahmung zu widersprechen.
    Und anschließend die Wiederherausgabe
    durch den Anwalt zu verlangen.
    Es stärkt m.E. deine juristische Position, damit nicht erst später anzukommen.
    Außerdem hast du nur so eine Chance,
    dass einer der Polizisten, der vielleicht schon was über Cannabis als Medizin mitgekriegt hat (die gibts), dir soviel irgendwo liegen läßt, dass zumindest deine Gesundheit nicht sofort bedroht ist. Außerdem steigt deine Chance,
    (falls du größere mengen hast, weil du z.B. selbst anbaust)
    dass nicht erst der Haftrichter deine Entlassung bestimmt, sondern du gar nicht erst in Arrest mitgenommen wirst.

    liebe Grüße
    Gabi
    Geändert von Gabi (08.09.2004 um 22:40 Uhr)
    zahme Vögel singen von Freiheit - die Wilden fliegen

  3. #3
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    Ausrufezeichen @uge, Gabi

    Hi,

    ich habe die Erfahrung gemacht (machen müssen), daß es immer das Beste ist, wenn man erstmal die Klappe hält und alles weitere vom Anwalt regeln lässt. Allerdings muß der Anwalt firm sein, was C. als Medizin betrifft. Ansonsten wird er/sie niemals auf Herausgabe der beschlagnahmten Sachen plädieren, weil er/sie natürlich darauf aus sind, daß du später nicht alle halben Jahre Besuch von dem Trachtenverein bekommst.
    Ist also reine Ansichtssache, wie man das am Besten handhabt.

    Gruß Frank
    Hinweis: In Deutschland ist der Besitz, Anbau, Verkauf, usw. von Cannabis verboten!!! Jede Maßnahme C. zu erwerben, anzubauen und einzuführen, kann strafrechtlich verfolgt werden und geschieht daher in Eigenverantwortung!!!

  4. #4
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    hi Gabi, hi Frank

    danke fuer eure meinung.

    ich tendiere eher zu gabis auffassung.

    bei einer hausdurchsuchung wuerde ich sofort deutlich machen, dass es sich um eine medizinische anwendung handelt.

    bei einer verkehrskontrolle wuerde ich erst einmal abwarten, wie sich die situation darstellt.
    unter umstaenden kann es von vorteil sein, informationen ein wenig zurueckzuhalten.
    stressig wird's in jedem fall.

    so oder so, ich hoffe, garnicht erst in eine solche lage zu kommen.
    ich finde es schon anstrengend genug, mein leben illegal zu leben.

    gut, das ich im norden unserer republik lebe,
    hier ist das risiko nicht ganz so hoch.

    ich brauche wenigstens meinem privaten umfeld nichts vor zu machen. dort wird es jetzt auch uneingeschraenkt akzeptiert. am anfang gab es noch erhebliche zweifel, aber nach einem jahr habe ich selbst die staerksten kritiker ueberzeugt.
    die kritiker empfand ich auch nicht als stoerend, sondern als wichtig fuer meine eigene meinungsbildung.

    das einzige, das wir als problem sehen ist die kriminalitaet.
    die gefahren, die dabei fuer den beruf, den fuehrerschein und die finanzen bestehen sind echt maechtig. es kann einem schon schlaflose naechte und angespannte tage bescheren.

    dabei waere das leben so einfach sein, wenn man sich in sicherheit wissen kann.
    aber die sicherheitskraefte sind fuer mich leider sicherheits- und unsicherheitsfaktoren gleichzeitig.
    gut, das ich schon so alt bin. vor 20 jahren haette ich das nicht so abgeklaert und gelassen sehen koennen.

    was die jugendlichen konsumenten wohl dazu sagen?
    mit 16 duerfen sie legal zigaretten und bier ohne limit konsumieren, aber einmal mit nem joint erwischt, schon dreht sich das karussel so hecktisch, dass einem schlecht werden kann.

    das man so ein positives rechtsbewusstsein entwickeln kann bezweifle ich.
    bleibt zu hoffen, dass sie wenigstens ein gesundes moralbewusstsein entwickeln.

    love and light
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  5. #5
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    Cool Hausdurchsuchung in Wohngemeinschaften

    Sollte jemand von Euch in einer WG wohnen und der grün weiße Trachtenverein steht vor der Tür mit nem Durchsuchungsbefehl der auf euren Namen ausgeschreiben ist, haben die Jungs lediglich das recht eure (!!) Zimmer zu durchsuchen. Also nicht die Abstellkammer mit dem Grow. Denn die hat ja euer Mitbewohner gemietet

    you know what I mean?!

  6. #6
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    Hausdurchsuchung

    Aus eigener Erfahrung kann ich Günther nur bestätigen.
    Für meine Räume Durchsuchungsbefehl, für die anderen reicht "Gefahr im Verzuge".

  7. #7
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    Cool

    Recht habt ihr. Ihr dürft den jungs natürlich niemals einen anfangsverdacht geben. Das gilt ja auch für alle anderen Situationen (Verkehrskontrolle). Also immer schon bedeckt halten.

  8. #8
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    Anfangsverdacht

    Einem Freund von mir wiederfuhr folgendes!
    01.01.2004, Neujahr 04:00 Uhr morgens, wir hatten gerade gemütlich ins Jahr 2004 (und in den Geburtstag meines Freundes) reingefeiert und waren auf dem Heimweg. Am Hauptbahnhof wurden wir dann Opfer einer sogenannten Verdachtsunabhängigen Kontrolle. Polizei- und BGS Leute kreisten uns ein und kontrollierten den Inhalt der Taschen der uns begleitenden Damen und den Rucksack meines Freundes.
    Gefunden wurde nichts ausser einem kleinen Werbezettel eines ortsansässigen Growshops. Dieses nahm der Staatsdienerklüngel gleich als Grund meinem Freund die Wohnung auf den Kopf zu stellen um dann triumphierend 5.5 Gramm Haschgift zu beschlagnahmen.
    Eigentlich dachten wir das so etwas eingestellt wird da es sich um eine so geringe Menge handelt.
    Doch erstens kommt es anders als zweitens man sich denkt.
    Anfang Oktober war Verhandlung.
    Mein Freund hatte damals noch ganze 2 Tage (bis 3.1.004) eine Bewährung offen. Diese wiederrief der Richter nur wegen einer günstigen Sozialprognose nicht. Stattdessen muß mein nFreund nun 1300 Euronen Strafe von seinem ABM Gehalt abstottern.
    Im sonst so liberalen Hamburg echt ein Hammer. Zudem ergeht noch ein Hinweis ans Verkehrsamt, der ihn auch den gerade erworbenen Führerschein und damit noch den Job kosten könnte.

    Es kommt eben immer auf den Richter an.

    Aber auf was ich nun hinauswollte: Heute brauchen die Schergen nicht mal mehr einen Anfangsverdacht um einem das Leben wieder richtig umzukrempeln.

    Gruß rüdeberta

  9. #9
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    Unglücklich @rüdeberta

    Hi,

    seit in HH der rechte Oberdepp Schill im Senat war, hat sich einiges geändert. Ich weiß, daß es in Berlin und in Hamburg die ersten Coffeeshops gab, die quasi toleriert wurden.
    Dann kam ein Richter Schill daher, schürte alle möglichen Vorurteile wieder an und gewann seine Wahl mit den Stimmen unsicherer und aufgehetzter Rentner, die sich ihre Handtaschen nicht klauen lassen wollen.
    Solche Deppen wie Schill müssen weg - sonst ändert sich so schnell nichts!

    Gruß Frank
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  10. #10
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    Ausrufezeichen Theorie und Praxis Hausdurchsuchung Teil I

    Teil I - Theorie und Praxis Zusammnefassung bei Hausdurchsuchungen (aus selektierten Quellen)

    Einige Beispiele dürfen sich nochmal wiederfinden.
    Sofern Berichtigungen nötig sind, auf die Passagen
    aufmerksam machen.


    In Zeiten wachsender Staatswillkuer, arroganten und skrupellosen Umgangs der Staatsorgane und seiner willigen Vollstrecker mit ihren Buergern, habe ich mich entschlossen diesen Guide zu schreiben. Wie das Schicksal so will, habe ich mich aus aktuellem Anlass mit der Materie beschaeftigt, da einige meiner engsten Kumpane einer ueberraschenden Hausdurchsuchung ins Auge schauen mussten. Leider ist selten etwas unvorbereitetes auch erfolgreich, deswegen ging so manche Durchsuchung fuer den Delinquenten unvorteilhafter aus, als es haette sein muessen.

    Werter Leser, beachte bitte auch, dass dieser Text nicht geschrieben wurde um das Begehen von Straftaten zu foerdern. Du weisst was du tust. Dieser Text soll dir einfach helfen, dich vor Uebergriffen des Staates auf deine unveraeusserlichen Menschenrechte, zu schuetzen und zu wehren. Lasst uns also keine Zeit verlieren...


    Zuerst ein wenig Theorie:

    Wir leben in einem s.g. Rechtsstaat, das heisst erstens, dass wir in einem Staat leben. Leben in einem Staat bedeutet dass jeder seiner Buerger ein wenig Freiheit in Sicherheit eintauscht. Die Freiheit des Buergers wird durch Gesetze begrenzt, andererseits bekommt jeder auch ein grosses Stueck an Sicherheit -sein Leben und Besitztum wird durch den Staat garantiert, so dass er, in der Regel, ein sicheres Leben fuehren kann, ohne um sein Leben und seine Habe zu fuerchten. Zweitens bedeutet Rechtsstaat, dass das Verhaeltnis von Freiheit und Sicherheit nicht willkuerlich sondern durch das Recht festgelegt wird. Das bedeutet, dass keine Staatsgewalt im Widerspruch zum schriftlich festgelegtem Gesetz handeln darf. Dass dies nicht immer so ist, liegt auf der Hand, aber bevor du dich dagegen wehren kannst, musst du erst erkennen wo gueltiges Recht ueberschritten wurde - hier gilt Wissen ist Macht. Fuer Juristen unter euch, uns wird hier am meisten das Grundgesetz (Art. 13) und die Strafprozessordung (StPO, Par. 110) interessieren.

    Wie ich oben schrieb, garantiert der Staat per Gesetz jedem Buerger Sicherheit zu. Wenn sich also jemand (eine Privatperson oder eine Firma) in seinen Rechten verletzt meint (Diebstahl, Erschleichen von Dienstleistungen, Sachbeschaedigung, Verletzung des Copyrights), hat er das Recht den vermeintlichen Verursacher bei der Polizei, oder der Staatsanwaltschaft anzuzeigen; wenn der Verursacher nicht bekannt ist, kann Anzeige gegen unbekannt gestellt werden. Jetzt kommt der Staat zum Zug, er kann ein Ermittlungsverfahren (EV) einleiten oder auch nicht. Damit wir schneller vorankommen, nehmen wir an ein Ermittlungsverfahren ist eingeleitet worden. Das EV hat zum Zweck hinreichende Beweise zu finden, um eine Anklage vor Gericht zu erheben, denn ohne einen Schuldspruch des Richters kann der tatsaechliche Verursacher nicht zur Verantwortung gezogen werden (auch hier Prinzip des Rechtsstaats).

    Waehrend des EV hat der Staat (Polizei, Kripo) eine ganze Palette an Mitteln um den oder die Verursacher zu finden und/oder zu ueberfuehren. Er kann abhoeren, beschatten, verdeckte Ermittler einsetzen oder auch eine Hausdurchsuchung beim vermeintlichen Verdaechtigen oder einem seiner vermeintlichen Komplizen anordnen. Da sind wir also endlich beim interessanten Teil angelangt.

    Wann sind in einem EV genug Beweise/Hinweise gefunden wurden, dass einer Hausdurchsuchung stattgegeben wird? Leider, leider: Sehr sehr schnell. Schon wenn einer bei einer Vernehmung sagt, dass er gehoert hat dass jemand mal mit dem aktuellen Fall irgendwie zu tun hatte kann das schon fuer einen Hausdurchsuchungsbefehl reichen. Es gibt auch Faelle, in denen einfach eine aufgeschriebene Telefonnummer, die Zusammenhangslos bei einer Hausdurchsuchung gefunden wurde schon zu einem Besuch der Kripo gefuehrt haben. Grundsaetzlich: Schon der kleinste, nichtigste Anhaltspunkt kann von den Beamten dem Richter so vorgefuehrt werden, dass er den Wisch ausstellt! Also wiegt euch nicht in Sicherheit - es kann jeden immer treffen! In besonders krassen Faellen, wo der Verfassungschutz z.B. linke Buchlaeden oberserviert hatte wurden Menschen dann geziehlt observiert und abgehoert (und spaeter Durchsucht selbstverstaendlich) die auch nur 2x dort haben Blicken lassen.

    Die Hausdurchsuchung (im weiteren mit HD abgekuerzt) hat zum Ziel Beweise oder Indizien fuer die Aufklaerung einer Straftat und eine evtl. folgende Anklage zu finden. Ihr Ziel ist es nicht den Buerger einzuschuechtern, deswegen gilt im Falle einer HD:

    K E I N E P A N I K !

    Eine Hausdurchsuchung ist nichts Schlimmes, sondern nur die Erfuellung deiner buergerlichen Pflichten. Mit Schreien (deine Mutter), Toben, Bruellen und mit aggressivem wie ohnmaechtigem Verhalten machst du es nur den Polizeibeamten (meistens in zivil) schwer, ihrer langweiligen Routinearbeit nachzukommen, beeindrucken kannst du sie damit nicht, sie werden ihren Job trotzdem tun.

    Jetzt gilt es klaren Verstand zu bewahren und keine unnoetigen Fehler zu machen, am besten wenn du deine Familie im voraus aufgeklaert hast, dazu aber spaeter. Hinzu kommt, dass du dich gegen eine rechtmaessige HD nicht wehren kannst, sondern du musst sie erdulden, es sei denn du bist John Rambo..

    Eine Hausdurchsuchung an sich ist eine Verletzung deines grundgesetzlich garantierten Rechts auf Privatsphaere (GG Art.13, Abs. 1, Wortlaut: "Die Wohnung ist unverletzlich.", die Polizei darf also auf keinen Fall nach Gutduenken deine Wohnung betreten, wenn die Beamten das unrechtmaessig tun wuerden, wuerden sie sich selbst des Hausfriedensbruchs strafbar machen.

    Da jeder Eingriff in ein Grundrecht nur durch den Richter erfolgen darf, muss jede HD erst durch einen Richter angeordnet werden. Er stellt den Hausdurchsuchungs-befehl (HDB) aus, der der Polizei die Befugnis gibt entsprechend aufgezaehlte Lokalitaeten (Zimmer, ganze Wohnung, Garage, Dachboden, Fahrzeug, Haus) nach Beweisen zu durchsuchen. Eine Ausnahme, die s.g. "Gefahr im Verzuge", tritt ein, wenn der Umweg ueber den Richter einen nicht wiedergutzumachenden Zeitverlust fuer die Strafverfolgung bedeuten wuerde, sei es, dass ein Gefangener in deine Wohnung fluechtet oder in deiner Wohnung vermutete Beweise schon wenige Stunden spaeter beiseite geschafft sein koennten - in diesem Fall darf die Polizei ohne Durchsuchungsbefehl handeln (wohlgemerkt, es handelt sich um eine Ausnahme, die gut begruendet werden muss).

    Aber auch der Durchsuchungsbefehl ist kein Persilschein fuer die Polizeibeamten, sie sind an strenge Bestimmungen gebunden, z.B. nachts sind Durchsuchungen verboten! Die Nachtzeit ist wie folgend definiert: 1. April - 30. September : 21:00 - 4:00 und 1. Oktober - 31. Maerz : 21:00 - 6:00.

    Natuerlich gilt auch hier die Ausnahme fuer "Gefahr im Verzuge". Wenn also die Staatsgewalt an der Tuer klingelt (meistens gegen 9-11 Uhr morgens), fragst du cool (der Hausherr) nach dem Hausdurchsuchungsbefehl. Wenn sie einen haben, LIEST DU IHN DIR GENAU DURCH, die Beamten warten waehrenddessen VOR der Tuer. Aus der Lektuere erfaehrst du welche Raeume durchsucht werden duerfen, und welchen Zweck die Durchsuchung hat. So kannst du waehrend der Durchsuchung KONTROLLIEREN ob sich die Beamten an die ihnen durch den Richter uebertragenen Befugnisse halten. Du hast das Recht alles fuer dich zu protokollieren, auch wenn es nur fuer dich ist, ist es manchmal hilfreich. Wenn die Polizei wider Erwarten keinen schriftlichen HDB hat (bei "Gefahr im Verzug", hast du das Recht zu erfahren welcher Tat du verdaechtigt wirst und zu welchem Zweck die HD stattfinden soll.

    AUF KEINEN FALL DARFST DU DEINE MUENDLICHE ZUSTIMMUNG ZUR DURCHSUCHUNG GEBEN !

    Wenn du das tust dann hast du, als freier Buerger, dich mit dem Eingriff in dein Grunderecht einverstanden erklaert, und die Beamten haben sich aller Formalien elegant entledigt, obwohl sie keinen HDB hatten. Wenn du also keinen Durchsuchungsbefehl praesentiert bekommst musst du

    LAUT UND DEUTLICH DER DURCHSUCHUNG WIDERSPRECHEN.

    Falle nicht auf die Masche herein: "Sie haben doch nichts dagegen, dass wir uns etwas im Haus umsehen?"; oder Aehnliches. Wenn die Beamten trotzdem eine HD durchfuehren wollen, so muessen sie das gegen deinen Willen tun, das kann sich spaeter als ein Vorteil fuer dich erweisen. Das ist auch ein Punkt wo du auch deine Wohngemeinschaft aufklaeren solltest - fuer den Fall, dass du nicht daheim bist. Wie du siehst, kannst du bereits hier eine potentielle Durchsuchung abblocken. Du solltest, wie die Staatsgewalt auch, bei allem hoeflich aber entschieden bleiben. :-)

    Ein paar Worte zum Sonderfall, dass nicht die Polizei sondern z.B.: das BAPT (Bundesamt fuer Post und Telekommunikation) wegen nicht zugelassener Sendeanlagen (Scanner, Amateurfunk, Ueberschreiten der Sendekraft bei CB-Funk, Brenner, Betreiben von Packet-Radio auf anderen Kanaelen als vorgesehen) zu Besuch kommt. Du musst sie nicht in die Wohnung lassen! Sage ihnen, dass du keine solchen Anlagen betreibst, sie werden dann gehen. Wenn du sie allerdings hereinlaesst, und sie finden betriebsbereite Amateurfunkanlagen, fuer die du keine Lizenz hast, nehmen sie es mit, und du siehst es nie mehr wieder.
    Geändert von Denis (03.04.2005 um 08:08 Uhr)

  11. #11
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    Fortführung Teil I

    Naechster Schritt, was duerfen die Beamten waehrend der HD mit deiner Wohnung anstellen? Grundsaetzlich duerfen sie nur das was im HDB steht, insbesondere nur aufgezaehlte Raeumlichkeiten durchsuchen. Aufraeumen muessen sie allerdings nicht, sie duerfen aber keine Sachen beschaedigen. Du hast das Recht bei jeder Unklarheit nachzufragen und die Beamten, an den durch den Richter gestellten Rahmen, zu erinnern, davon solltest du bei Bedarf Gebrauch machen (was stand im HDB, vs. was tun die Beamten?)! Lass dich nicht voreilig entmuendigen. Vor allem hast du das Recht, eine (oder mehr) durch dich bestimmte Person(en), als Zeugen bei der Durchsuchung hinzuzuziehen, z.B.: einen Nachbarn. Wenn kein Staatsanwalt bei der HD dabei ist (normal), dann muss ein Zeuge dabei sein. Oft machen sich es die Bullen einfach, und benennen einen Mitarbeiter als Zeugen. Seltsamerweise durchsucht er aber ebenfalls - was man sich nicht bieten lassen sollte. Fragt wer bei der Durchsuchung als Zeuge hinzugezogen ist, und dann schreitet ein wenn er sich beteiligt! Wenn sie einer wenig sind brauchen sie laenger und es kostet sie mehr Nerven - was dazu fuehrt das sie die Lust verlieren und nicht alles oder nicht so gruendlich durchsuchen (Praxiserfahrung ;-)

    Weiter sind deine Freiheitsrechte waehrend der Durchsuchung NICHT eingeschraenkt, d.h. du darfst dich in der Wohnung FREI bewegen und telefonieren, z.B.: deinen Anwalt oder Freund anrufen. Die Kripo sagt gerne "Bitte setzen sie sich hier hin und verhalten sie sich ruhig" damit man im Auge der Beamten bleibt und nicht heimlich etwas beseitigen kann und sie nicht stoert - wehre dich dagegen, beziehe dich auf die StPO!

    Zettel und Notizen

    Die Beamten duerfen zwar alle Gegenstaende und Schriftstuecke in der Wohnung sichten aber keine Schriftstuecke lesen (Schutz der Privatsphaere). Sollten sie das widerrechtlich doch tun, sagst du einfach "Entsprechend des Paragraphen 110 der Strafprozessordung verbiete ich Ihnen alle gefundenen Schriftsteucke zu lesen." Nur der Staatsanwalt darf sie lesen und auswerten. Vorsicht, wenn du die Beamten nicht selbst auf dieses Verbot hinweist, werden sie spaeter sagen du waerest stillschweigend mit ihrer Handhabe einverstanden. Beachte hier, dass die meisten Staatsanwaelte weit weniger Verstaendnis von computer-relevantem Material (Passwoerter, Dialups, CCs, PBXen, Notizen, sensitive Daten, 0130, 0800, 0190, 0900 Nummern) haben als inzwischen eintrainierte Durchsuchungsbeamte. Lass sie keine Sortierarbeit fuer den Staatsanwalt - und zu deinem Nachteil - machen! Schliesslich kannst du darauf bestehen, dass alle Papiere in deinem Beisein versiegelt werden (empfehlenswert) - es hat zudem den Vorteil, dass du beim Brechen des Siegels vom Staatsanwalt selbst anwesend sein musst, was hilft die Auswertung der Durchsuchung zu verzoegern.

    Das Durchsuchungsprotokoll

    Im Falle, dass die Durchsuchungsbeamten keinen HDB hatten, darfst du nach der Durchsuchung eine schriftliche Mitteilung, die den Grund und die verdaechtige Straftat enthaelt, verlangen. Neben dieser wird auf jeden Fall ein Protokoll mit allen Daten (Personalien, Zeit, Liste beschlagnahmter Gegenstaende) erstellt. Die Beamten verlangen meistens spaeter deine Unterschrift darunter - dazu bist du aber gesetzlich NICHT verpflichtet, am besten laesst du es sein, ein Nachteil kann dir aus der Weigerung nicht gemacht werden. Auf jeden Fall hast du das Recht das Schriftstueck sorgfaeltig durchzulesen, und eine Erklaerung nach allem zu verlangen, was du nicht auf Anhieb verstehst.

    SEHR WICHTIG:

    Auf dem Protokollblatt werden an einigen Stellen Kreuze gemacht, die aussagen, ob der Hausherr mit der HD einverstanden war oder nicht, und ob die mitgenommenen Gegenstaende "freiwillig herausgegeben" wurden oder erst "beschlagnahmt" werden mussten.

    ACHTE DARAUF, dass die Kreuze bei NICHT EINVERSTANDEN und NICHT FREIWILLIG stehen! Das ist deine groesste Chance die beschlagnahmten Computer/Hardware/Disks jemals wiederzubekommen! Wichtig ist vor allem aufzupassen was der leitende Beamte sagt! Es wird auf jeden Fall bei der Ueberreichung des Zettels zum Unterschreiben der Satz kommen "Machen Sie hier ein Kreuz und unterschreiben Sie da." - falle nicht darauf herein! Im allgemein beim Umgang mit der Staatsgewalt, also auch hier gilt, alles was du den Polizeibeamten erlaubst, ob freiwillig oder aus deiner eingeschuechterten Lage heraus und angesichts der geballten Staatsmacht, braucht keiner Rechtfertigung der Polizeibeamten, also auch keiner nachtraeglichen richterlichen Ueberpruefung. Falsches Zuvorkommen ist hier fehl am Platze und bringt dir keinerlei Vorteile! Um nochmal zu unterstreichen, wenn die Durchsuchung ohne Durchsuchungsbefehl stattfindet wirst du sogar ausdruecklich gefragt, ob du mit der Mitnahme (Sicherstellung) der Gegenstaende einverstanden bist - DIES MUSST DU UNBEDINGT VERNEINEN. Diese Haltung solltest du waehrend der gesamten Durchsuchung beibehalten, um keine Missinterpretationen deines (nonverbalen) Verhaltens zuzulassen!

    Was die evtl. mitgenommenen Gegenstaende angeht, bestehe darauf, dass alles auf der Liste genauestens und differenziert beschrieben ist! Um direkt aus einem Rechtsberater zu zitieren: "Der Betroffene hat KEINE Veranlassung, den Polizeibeamten die Muehe zu ersparen, die einzelnen Gegenstaende und den Fundort in der Wohnung so exakt wie moeglich zu beschreiben." Das ist nicht immer einfach aber ich ermutige dich dazu, das Gesetz ist hier eindeutig auf deiner Seite. Deine widersprechende Haltung ist, wie ich sagte, die EINZIGE Chance ueberhaupt deine Hardware in annehmbarer (unter 6 Monaten) zurueckzubekommen.

    Dies geht so: wenn du widersprochen hast, muss von der Polizei innerhalb von drei Tagen eine Bestaetigung beim zustaendigen Amtsrichter eingeholt werden (egal ob ein HDB vorhanden war oder nicht). Der Richter wird also die Gruende fuer die bereits erfolgte HD ueberpruefen, sollten sie nicht ausreichend gewesen sein, muss die Polizei dir alles herausgeben. Damit nichts in Vergessenheit geraet, kannst du dich direkt an den zustaendigen Amtsrichter wenden und eine "richterliche Entscheidung ueber die Rechtmaessigkeit der Beschlagnahme" beantragen. Ausnahme bei Postsendungen auf der Post, sie sind fuer die Polizei tabu, beschlagnahmt werden duerfen sie nur vom Richter und bei Gefahr im Verzug nur vom Staatsanwalt.

    Nach der Durchsuchung

    Ich empfehle dir, dass du sofort, nachdem die Beamten Tschuess gesagt haben, deinen Anwalt anrufst, damit er Einspruch gegen die Durchsuchung einlegen kann. Sage, dass du die Computer fuer deine Arbeit dringend benoetigst. Wenn die Sache gutgeht dann hast du nach 1-3 Monaten deine Hardware wieder. Vereinbare mit dem Anwalt, das du ihn nach BRAGO bezahlst, das ist guenstiger fuer dich. Kostenpunkt ca. 400,- bis 500,- Euro im Vorverfahren, es beinhaltet alles, Briefverkehr, Telefonate, Kopien etc. bis das Verfahren eroeffnet wird. Nimmst du dir keinen Anwalt erhaelst du a.) keine Akteneinsicht (weisst also nicht wie sie auf dich gekommen sind und bei wem sie folglich noch vorbeikommen - sowie was sie bei dir gefunden haben) und b.) kann es sein, dass du das beschlagnahmte Material nie mehr wiedersiehst. Allemal besser als dass die Sachen irgendwo als Beweise fuer Jahre verschwinden. Sollte es zu einem Verfahren kommen brauchst du auf jeden Fall einen Anwalt, die Kosten nach BRAGO liegen bei ca. 500-1000 Euro. Am besten hoerst du dich noch vor der Durchsuchung um, welcher Rechtsanwalt Erfahrung hat und notierst dir seine Telefonnummer/Urlaubszeiten. Du kannst auch beim Ordnungsamt (beim Rathaus) nach DV-erfahrenen Anwaelten fragen. Dort bekommst du auch, wenn du minderbemittelt bist, einen s.g. Rechtsberatungsschein, der dich berechtigt, beim Anwalt deines Vertrauens eine Rechtsberatung (keine gerichtliche Vertretung) einzuholen, sein Honorar wird aus der Landeskasse beglichen.

    Ein paar Worte noch zur Aufklaerung deiner Familie. Die meisten von euch leben noch bei den Eltern oder in Wohngemeinschaften. Als H/P/A Dude musst du jederzeit mit einer Durchsuchung rechnen, auch wenn du nicht zu Hause, z.B. verreist, bist. Wenn du bereits eine HD hinter dir hast, kann jederzeit eine weitere folgen, beim begruendeten Anfangsverdacht, musst du leider mit allem rechnen. Sag deinen Mitbewohnern, wie sie sich bei einer HD richtig verhalten sollen, du kannst sagen, dass deine Schulfreunde CDs mit raub-kopierter Soft gekauft haben und, dass die Hersteller jetzt eine Durchsuchungswelle planen und, dass es jeden treffen kann (ziemlich unwahrscheinlich aber das reicht uns hier). Sag ihnen alles nur nicht die Wahrheit. Du kannst z.B. einen Zettel mit Tips an einem bekannten Ort in der Wohnung deponieren, niemand weiss wie er sich im Notfall verhalten wird. Langfristige mentale Vorbereitung ist notwendig. :-) Abschliessend fuege ich noch hinzu, dass du dich auf GAR KEINEN Handel mit der Polizei einlaesst, du machst keine Teilgestaendnisse, erzaehlst von keinen Freunden, keinen Telefonnummern, am besten sagst du sowenig wie moeglich. Wenn dich waehrend der Durchsuchung ein Beamter fragt z.B. "Woher haben Sie die CD Roms hier?"; dann nicht antworten, denn ab einer bestimmten Anzahl von Beamten die deine Antwort hoeren (ich glaube 3) gilt deine Antwort bereits als gemachte Aussage! Die Polizeibeamten sind psychologisch geschult, von Ablenkungsmanoevern o.Ae. rate ich dir ab. Tatsache ist, dass die Polizei keine Befugnisse hat dir Handel vorzuschlagen, oder Vorteile zu versprechen oder gar zu garantieren, ihre Zusagen sind null und nichtig! Das Gegenteil ist der Fall, sie duerfen alle erlaubten (sic) Mittel anwenden um Beweise zu finden und dich zu ueberfuehren. Also, ganz klare Sache, keine Verhandlungen mit der Polizei! Sag ihnen von Anfang an sie sollen mit deinem Anwalt reden und nicht mit dir.
    Geändert von Denis (03.04.2005 um 08:07 Uhr)

  12. #12
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    Teil I+II

    Wenn du einen Brief/Anruf bekommst zu einem Verhoer zu Erscheinen - geh nicht hin, solange es keine zwingende Vorladung ist, bist du nicht verpflichtet hinzugehen oder auch nur abzusagen (aus Hoeflichkeit kannst du aber trotzdem absagen).

    Das wird besonders gerne gemacht wenn der Beschuldigte sich keinen Anwalt genommen hat. Falls es zu einem Gespraech mit der Polizei kommen sollte - nur mit Anwalt! Wichtig ist zu wissen, dass auch wenn die Beamten einem Angebote machen, wie z.B. "wenn du uns sagst wer beteiligt war etc. werden wir einen Teil der Anklagepunkte weglassen" -

    DAS STIMMT NICHT.

    Die Beamten koennen dir keinerlei Verguenstigungen zugestehen - sie koennen naemlich gar keine machen, das kann und darf nur der Staatsanwalt. Also nichts anderes als eine unfaire Methode doch ein Gestaendnis von dir zu bekommen.
    Sollte es sogar sein, dass du nach der Durchsuchung auf die Wache mitgenommen wirst, um polizeilich behandelt zu werden, mit anderen Worten Fingerabdruecke abnehmen, Fotos etc., dann pass auch hier wieder auf was du unterschreibst - lies es vorher! Ein Zettel z.B. ist vollgeschrieben mit allerlei unwichtigem Zeug aber versteckt steht "Ich moechte nicht (!) informiert werden, falls meine Daten nicht nach 2 Jahren aus den Polizeiakten geloescht werden"; ... Das muss z.B. vorher durchgestrichen werden und explizit am Rand hingeschrieben werden, dass man doch informiert werden will.
    Das wars diesmal, ich erhebe keinen Anspruch auf Vollstaendigkeit, ganz im Gegenteil, siehe diesen Text als einen kleinen Ratgeber an. Wenn du andere gute Ratschlaege hast, so setze dich mit mir in Kontakt, und wir schreiben ein Update fuers naechste Magazin.

    Teil II - Kurze Zusammenfassung fuer Notfaelle

    Die wichtigsten Ratschlaege bei einer Hausdurchsuchung

    1. Keine Panik.
    2. Kommen die Beamten, und haben sie keinen schriftlichen Hausdurchsuchungsbefehl - schicke sie hoeflich weg.

    3. Haben sie einen Hausdurchsuchungsbefehl, oder berufen sich auf Gefahr im Verzug - musst du sie hereinlassen. Davor das Papierstueck genau durchlesen! Und lass sie nur das tun was drauf steht.
    Bei Abweichungen daran erinnern.
    4. Nicht einschuechtern lassen, du darfst dich frei bewegen und auchtelefonieren - sofort einen Anwalt anrufen!
    5. Keine Fragen beantworten, lediglich die Personalien duerfen festgestellt werden. Mit den Beamten nicht reden, keine Aussagen, immer auf den Anwalt verweisen.
    6. WICHTIG: Was immer du auch unterschreibst,
    pass darauf auf, dass immer NICHT EINVERSTANDEN und BESCHLAGNAHMT etc.. angekreuzt sind.
    Die Liste der Sachen die sie beschlagnahmt haben,
    und das Protokoll nicht unterschreiben.
    7. Nach der Durchsuchung den Anwalt Einspruch
    einlegen lassen.

    __________________________________________________ _____________________


    Schweigen gegenueber der Polizei.
    =================================

    Wenn man unliebsamen Kontakt mit der Polizei hat ist das absolut oberste Gebot: Schweigen! Keine Ausagen machen! Nichts! Das ist einfacher gesagt als getan, daher ist es sinnvoll, sie die folgenden Situationen einmal gruendlich durch den Kopf gehen zu lassen. Wer sich ein wenig mit dem Thema Drogen beschaeftigt kann in diversen Berichten und Foren im Internet immmer wieder Saetze lesen wie "Mir war kalt ich war muede und wollte nach Hause" oder aehnlich. Ein simples, freundliches "Ich moechte dazu nichts sagen" kann schon vieles retten. Polizisten moegen freundliche Menschen sein, aber mit denen unterhaelt man sich nicht. Dann sich lieber von der Polizei festhalten lassen. Aber: Klappe zu!
    In dem Moment wo dir die Polizei begegnet, geht den meisten der "Arsch auf Grundeis" und daher sollte JEDER der mit Drogen zu tun hat, über seine Rechte bescheid wissen. Jeder. Auch DU! Und zwar BEVOR es zu Begegnungen mit der Polizei kommt. Es gibt zahlreiche Faelle wo nach Goa-Partys und Discobesuchen die Besucher in eine Verkehrskontrolle kommen und sich, entschuldigung, selbst in die eigenen Scheisse reiten, weil sie nicht ueber ihr Rechte bescheid wissen. Informiert euch also BEVOR etwas passiert. Und sollte man eines Tages eine Begegnung mit der Polizei haben, dann heisst es SCHWEIGEN! Und genau da setzt dieser Text an.
    Und: Selbst wenn du "Dreck am Stecken" hast: Die 2. Regel ist: Nimm dir einen Anwalt!!! Denn jetzt gilt es Schadensbegrenzung zu betreiben. Wenn du keinen Anwalt hinzuziehst, kann dich ein Vorfall mehr kosten als ein Anwalt!

    Dein Recht auf Aussageverweigerung

    Eine Festnahme, ein Verhör oder eine Hausdurchsuchung trifft Dich fast immer unvorbereitet. Das gehört bereits zur erfolgsgerichteten Taktik der Polizei. In dieser Situation hat sie Dir gegenüber folgende Vorteile: Für Dich ist diese Situation eine Ausnahme - für sie ist es eine Routine. Du bist von Personen Deines Vertrauens abgeschnitten. Die Beamten haben ständig die Möglichkeit, bei veränderter neuer Lage neue Instruktionen einzuholen. Du kennst Deine Rechte nur unvollkommen, sie wissen das. Du bist nervös und aufgeregt; sie sind gelassen und darauf getrimmt, Deine Nervosität zu ihren Gunsten auszunutzen. Du weißt nicht, was sie mit Dir machen werden und wie lange das Verhör dauert und was es ergibt - sie haben davon eine genaue Vorstellung. Du bist ausgeliefert und fühlst Dich dementsprechend schlecht. Die Angst und die Ungewißheit machen Dich fertig - sie rechnen damit. In dieser Situation sind viele bereit, auf alle gesetzlich garantierten Rechte, im besonderen auf Aussageverweigerung, zu verzichten. Für den Wunsch "nur raus hier und es hinter mir haben", sind manche schon für Jahre ins Gefängnis gewandert, weil sie ihr Recht auf Schweigen nicht mehr wahren konnten.
    In dieser Lage bist Du nicht Herr des Verfahrens. Du kannst mit absoluter Sicherheit nicht wissen, ob eine Aussage Deine Situation letztlich verbessert. In dieser Lage kannst Du nur spekulieren.

    Spekulation ist Abenteuerei.

    Es gibt keine Situation, in der Du eine Aussage nicht auch noch in 14 Tagen machen könntest!
    Wichtig ist, die Mechanismen zu kennen, die Menschen zum Reden bringen. Eine Vernehmung ist kein Spiel von Frage und Antwort. Sie ist zunächst eine Situation, in der man nicht nur bewußt und vernünftig handelt, sondern vor allem von unbewußten Regungen, teilweise mechanisch, gesteuert wird. Der geübte Kriminalbeamte wird, wenn der Dich schon kennt, bereits von Anfang an diese Regungen und Verhaltensweisen an Dir studieren. So kann er im Verlauf der Handlungen in Deinem Unterbewußtsein Reaktionen auslösen, die ihn seinen Zielen näher bringen. Viele begreifen später nicht, wie es zu Aussagen kommen konnte.

    Verzichte auf jede Rechtfertigung und Diskussion!!!!!!

    Eine weitere Schwäche, auf die die Beamten zählen, ist unsere Neigung, unser Tun überall und gegenüber jedem zu rechtfertigen. Vielen von uns ist es unerträglich, mit dem Gedanken herumzulaufen, etwas zu tun, dieses aber nicht zu rechtfertigen. Auch das mag in manchen Situationen des täglichen Lebens richtig sein. In der Situation der Vernehmung ist es absolut falsch. Es ist genauso falsch, auf die Idee zu kommen, den Beamten gegenüber jetzt zwar keine Aussage zu machen, ihnen aber haarklein darzulegen, daß man nur seine Rechte als Beschuldigter wahrnimmt. Denk daran: Kein Wort der Rechtfertigung. Überlege Dir lieber, wer Anspruch auf Rechtfertigung hat: Nur wer Dich auch kritisieren darf. Du wirst zugeben müssen, daß der Beamte hierzu nicht die Berechtigung hat. Auf irgendeine Art wird der Beamte immer wieder versuchen, mit Dir ins Gespräch zu kommen. Er wird Dich zum Beispiel bei Deiner Intelligenz packen wollen, oder er wird versuchen, mit Dir politisch zu diskutieren. Hierbei benutzt er Wissen, welches er sich im Laufe seiner Arbeit aneignen mußte. Er hat sich sicher mit einigen politischen Schriften beschäftigt. Er wird versuchen, bei Dir die Stellen herauszufinden, in denen Du möglicherweise unsicher bist, in denen Du politisch vielleicht zweifelst. Er wird mit allen möglichen Zitaten aufwarten, um Dir zu erklären, daß "Ihr" politisch falsch liegt. Vielleicht trifft er genau die Position, die Du selbst in Diskussionen mit Deinen Freunden erfolglos vertreten hast. Du meinst, bei ihm "echtes" Interesse zu spüren. Laß ihn sich abzappeln! Er hat mit Dir nichts zu tun. Er macht die Sprünge schließlich nur, um Dich zum Reden zu bringen
    .
    Du hast es nicht nötig, den Beamten zu imponieren. Hüte Dich auch davor, Deinem Gegenüber in dieser Situation in irgendeiner Weise zu imponieren. Frag Dich lieber, ob es Dir wirklich auf sein Urteil ankommt. Manche können es nicht ertragen, längere Zeit mit einem Beamten zusammenzusein, ohne es ihm wenigstens einmal "zu geben". Denk daran, daß Deine Position nicht nur schwach, sondern auch stark ist. Mach nicht den Fehler, dem anderen zeigen zu wollen, daß Du der Stärkere, der Klügere, der Gebildetere und politisch Bewußtere bist; denn dann bist Du der Dumme. Er wird sofort darauf einsteigen und Dir mit Interesse folgen und durch "dumme" Zwischenfragen Deinen Redefluß ankurbeln. In Wirklichkeit kannst Du ihm nur dadurch imponieren, daß Du in jeder Situation bei Deinem Schweigen bleibst.

    Die Vernehmungstaktiken

    Irgendwann, wenn nicht gleich am Anfang, fangen die Beamten an, Aussagen zur Sache aus Dir herauszuquetschen. Du kennst bereits die beiden Wege: den formellen, über eine Aussage, zu der Du Dich erst bereit erklären mußt, und den informellen, über ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee, im Gang oder von "Mensch zu Mensch".
    Geändert von Denis (04.06.2005 um 21:58 Uhr)

  13. #13
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    Teil II

    Die Informationen, die die Beamten benötigen, haben zweierlei Charakter:
    Sie sollen in einem Strafverfahren verwendet werden, müssen also gerichtsverwertbar sein, d.h. sie dürfen nicht unter Umgehung von Gesetzen, z.B. dem § 136 StPO, zustande kommen. Sie sollen der weiteren Ermittlungsarbeit dienen. Hier darf die Ermittlungsbehörde jeden Hinweis verwerten. Hier wird zum Beispiel das Telefon eines Arztes abgehört; nur darf ein sich daraus ergebener Hinweis nicht im Verfahren verwertet werden. Wird aber aufgrund dieser widerrechtlich erlangten Information eine Hausdurchsuchung durchgeführt, so ist das hierdurch sichergestellte Material verwertbar. Willst Du also Deine Rechte voll wahren, mußt Du sorgfältig darauf achten, daß Informationen, die Du im Kopf hast, auf keinem Wege denselben verlassen. Das Gesetz geht von der Fiktion aus, der Mensch habe einen freien Willen, den er nach Belieben betätigen könne; auch der Entschluß gemäß § 136 auszusagen, sei frei, wenn er nicht unter den besonderen Umständen des § 136 StPO zustandegekommen ist.
    Die Beamten werden Dir also zunächst die gesetzlich zulässige "Entscheidungshilfe" geben wollen. Dazu werden sie aus ihrer Maske als Kriminalbeamte herausschlüpfen und versuchen, Dir gegenüber die Rolle "Deines Anwaltes" zu spielen. Anstatt Dir sofort Gelegenheit zu geben, wirklich Deinen Anwalt zu befragen, haben sie ein Interesse daran, diesen zunächst von Dir fern zu halten. Sie werden alle Register ziehen, um Deinen freien Willen in ihre Richtung zu lenken.
    Gib keine Kommentare. Sprich über das Wetter,Essen oder Sport. Auf keinen Fall über Deinen Fall. Vermeide auch hier Imponiergehabe. Hab den Mut, für ein Würstchen gehalten zu werden. Wenn Du wieder draußen bist, werden sie wissen, daß Du keines warst. Denk daran, daß sie auch Pannen spielen können. Es ist durchaus möglich, daß sie Dich "versehentlich" mit jemandem zusammentun, von dem sie Dich vorher streng isoliert haben. Deine Freude mußt Du dann zügeln. Verhalte Dich so, daß sie aus Deinem Verhalten keinerlei Informationen ziehen können. Was für Begegnungen mit Personen gilt, trifft auch auf Orte oder Sachen zu. Nicht selten wird ein Betroffener an Orte gefahren, von denen angenommen wird, daß er sie kennt. Die Polizeibeamten wollen an der Reaktion prüfen, ob sie mit bestimmten Vermutungen auf dem richtigen Wege sind. Richte Dein Verhalten danach ein. Werde nicht plötzlich in einer bekannten Gegend munter und recke den Hals, wenn Du vorher geschlafen hast. Gib keine Hinweise auf Ort - oder Wegkenntnis. Wenn man Dir Sachen, wie Waffen, Schriftstücke, Kleidung, Schlüssel, Autos oder sonst etwas zeigt, betrachte alles interessiert und gleichmäßig intensiv, aber nimm nichts in die Hand. Man kann aus der Art, wie jemand etwas anfaßt, sehr gut sehen, ob er gewohnt ist, damit umzugehen.

    Keine Aussage ohne Anwalt!

    Das Gesetz gibt Dir als Beschuldigten das Recht, Dich selber nicht zu belasten. Das gleiche gilt für den Zeugen unter den oben genannten Voraussetzungen. Es gibt vor allem nach einer Festnahme keine Situation, in der Du sachlich und juristisch beurteilen kannst, ob Deine Angaben tatsächlich einen Vorteil für Dich bringen. Du weißt gar nicht, an welcher Stelle des Verfahrens Du bist. Dir fehlt der Lotse. Frag erst einen Anwalt. Wenn er nicht erreichbar ist, warte mit allem, bis Du ihn erreicht hast und er kommen kann. Mach Dir unter keinen Umständen die Geduld und Eile des Beamten zu eigen. Wenn er es eilig hat, hast Du gerade Zeit. Und nimm bloß nicht ihn etwa als Lotsen! Du kannst Dir hoffentlich denken, daß er Dich nicht in Deinem Interesse, sondern in seinem lotst. Der Polizeibeamte hat nur ein Ziel: seinem Vorgesetzten ein Ergebnis zu präsentieren. Du bist ihm letztlich scheißegal! Wenn Du aufgrund Deiner Aussage noch im Knast sitzt, ist er dafür vielleicht schon befördert worden.

    Die prozessuale Bedeutung der Aussageverweigerung

    Dein Schweigen hat auch prozessuale Bedeutung. Nur die totale Aussageverweigerung darf bei einem Beschuldigten nicht zu seinem Nachteil gewertet werden. Sagst Du nur ein Wort, so wird dies zu einem Beweismittel, das nach der Rechtsprechung der tatrichterlichen Beweiswürdigung unterliegt. Beispiel: Du wirst gefragt, wo Du an einem bestimmtem Datum warst. Wenn Du bisher weder auf diese noch auf eine andere Frage geantwortet hast, kann Dein Schweigen nicht verwertet werden. Sagst Du aber nur: "Am 5. Februar habe ich demonstriert" (vielleicht, weil man Dir ein Foto vorhält, auf dem Du zu sehen bist), so kann daraus der Schluß gezogen werden, daß Du an diesem oder jenem Ort warst und dieses oder jenes getan hast.
    Also: Solange Du keinen Lotsen hast: SCHWEIGEN! Eine Aussage kann man nicht widerrufen. Man kann nur einer Aussage eine weitere hinzufügen, die in ihrem Inhalt von der ersten abweicht. Das Gericht ist dann in seiner Wertung frei, welcher es Glauben schenkt. Meist werden die Beamten, welche die Aussage zustandegebracht haben, in der Verhandlung vernommen, und die werden ihr übriges tun, die geeignete Aussage dem Gericht mundgerecht zu machen.

    Die Spekulation mit Deiner Angst

    So einfach es klingt: Ein wesentliches Instrument Deiner Gegner, mit dem sie versuchen, Dich kleinzukriegen ist, Dir Angst zu machen. Angst hat vor allem derjenige, der zu weiterem Widerstand keinen Mut mehr hat. Dieser Mut verläßt einen, wenn der Gegner einem übermächtig erscheint. Es gehört somit zur Taktik der Polizei, Dir zu zeigen, daß Widerstand sinnlos ist und daß man mit Dir machen kann, was man will. Du fühlst Dich machtlos wie ein Stück Knete. Vergiß nicht, daß Du keine Knete bist! Du durchschaust das Manöver. Das zeigst Du aber keinem. Es ist vor allem das Imponiergehabe der Polizei bei Deiner Festnahme, Deiner Hausdurchsuchung oder bei anderer Gelegenheit, das Dich mutlos machen soll: Jeder weiß, daß die Polizei nicht bei Nacht in die Wohnung kommen darf und schon gar nicht ohne richterlichen Befehl (§§ 104, 105 StPO). Die Polizei setzt sich über diese Vorschriften hinweg, indem sie die in diesen Vorschriften vorgesehenen Ausnahmen zur Regel macht. Sie zeigen Dir, daß sie sich das und noch viel mehr leisten können. Du kannst Dich ja beschweren (Hohngelächter). Sie demonstriert Sicherheit.

    Die Einschüchterungstaktiken

    Die Strategie, Dich kleinzukriegen, setzt bereits beim ersten Zugriff der Polizei oder sonstigen Ermittlungsbehörden ein. Es treffen hier verschiedene Interessen zusammen: Sadistisch-erotische Neigungen der einzelnen Beamten, politische Interessen, der Wunsch, den Kollegen zu imponieren und schließlich das konkrete Ermittlungsinteresse. Du wirst also bereits von Anfang an auf verschiedenen Ebenen in die Zange genommen; ohne Dich in angemessener Weise wehren zu können. Sie schüchtern Dich mit ihrem Aufwand an Waffen und Beamten ein. Sie versuchen Dir mit Hilfe von besonderen Polizeigriffen Schmerzen zuzufügen. Sie drehen Dir die Arme bis "zum Anschlag" um, so daß Du fürchtest, sie werden sie Dir brechen. Anschließend wirst Du in ein Polizeiauto geworfen. Dort erwarten Dich dann Beamte, die Dich mit Redensarten eindecken. Diese Redensarten sollen Dir zeigen, daß Du völlig in ihrer Gewalt bist. Du weißt, daß Du später keinen für irgend etwas zur Rechenschaft ziehen kannst, denn falls Du Anzeige erstattest, hat keiner der Beamten etwas gehört oder gesehen.
    Vor allem, wenn Du eine Frau oder ein Mädchen bist, werden sie ihren Reden und Phantasien in unflätigster Weise freien Lauf lassen. Sie werden in Deiner Gegenwart eingehend Dein Äußeres, Deine Fehler und Vorzüge diskutieren. Sie werden Dich mit ihren Worten und Redensarten hart bedrängen.
    Wenn Du ein Junge oder ein Mann bist, werden sie vor Deinen Ohren das ganze Arsenal von Gewalttätigkeiten abspulen, dessen ihre Phantasie und wohl auch ihre Praxis fähig ist.

    Die Taktik des "Es ist das beste für Dich"

    Sie werden versuchen, Dir weiszumachen, das beste für Dich sei, auszusagen. Das geschieht, indem man Dir vorhält, welche Strafen einen erwarten. Sie werden Dir weiszumachen versuchen, Deine Position sei ohnehin aussichtslos. Der Geständige aber erhalte Straferlaß und komme möglicherweise nicht in Untersuchungshaft, weil dann keine Verdunklungsgefahr bestehe. Wenn sie recht hätten, brauchten sie die Zuziehung eines Anwaltes nicht zu fürchten. Es muß Dich mißtrauisch machen, daß sie Dir raten wollen, es aber nicht zulassen, daß dies eine Person Deines Vertrauens tut. Merken: Ein Polizist in KEIN Jurist. Er kann keine Strafmilderung/-verschärfung und aehnliches aussprechen!
    Nochmal: Die Vernehmung ist nicht nur ein Spiel von Fragen und Antworten, sondern eine Situation, zu der nicht nur der Beamte und Befragte gehört, sondern ebenso Deine Angst, seine Routine, die Wahl des Zimmers, die Beamten, die scheinbar nicht beteiligt sind, Hektik, Ungeduld und gespielte Szenen.
    Der Beamte wird zunächst versuchen, mit Dir ins Gespräch zu kommen. Man wird Dir "Ermittlungsergebnisse" vorlesen, die Dir zeigen sollen, wie weit man mit den Ermittlungen ist. Du kannst aber gar nicht beurteilen, ob dies tatsächlich Ergebnisse oder nur Vermutungen sind. Es ist vorgekommen, daß dem Beschuldigten Papiere als "Geständnisse" vermeintlicher Mitbeschuldigter vorgelegt wurden, an denen kein Buchstabe echt war. Abgesehen davon, ist auch ein wirkliches Geständnis noch lange kein Grund, auf sein Schweigerecht zu verzichten, denn nur ein Anwalt kann beurteilen, ob dieses vermeintliche Geständnis echt ist.

    Weiter wird man versuchen, Dich mit Namen, Adressen, Telefonnummern und Tatsachen aus Deinem Leben, von denen Du meinst, sie seien unbekannt, zu überrumpeln.
    Durchschaue diese Manöver. Wenn sie alles wissen, wozu dann noch eine Aussage? Wenn Du bereits überführt wärest, wie wollen sie Dir dann eine milde Strafe versprechen?
    Geändert von Denis (03.04.2005 um 08:09 Uhr)

  14. #14
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    Teil II

    Darüber entscheidet ohnehin das Gericht, das Dir gewiß nicht dankbar ist. Wenn sie in der Rolle Deines Anwaltes keinen Erfolg haben oder wenn sie merken, daß Du Dir von ihnen nichts einreden läßt, werden sie versuchen, Dich psychisch zu bearbeiten.

    Psychischer Druck und Entspannung - Gespräche von "Mensch zu Mensch"

    Bereits im Transportwagen in der Polizeizelle oder bei der Kripo, wenn es Dir vielleicht besonders dreckig geht, wird ein Beamter in der Rolle des "Freund und Helfers" auf Dich zukommen. Das kann ein "Höherer" sein, der die Polizisten, die Dich beschimpfen, zur "Ordnung" ruft. In Deiner miesen Situation neigst Du dazu, Dich an diesen Strohhalm zu klammern und zu vergessen, daß er derjenige ist, der jetzt den Auftrag hat, mit Dir in ein vertrauensvolles Gespräch zu kommen. Es passiert nicht selten, daß gerade dieser Beamte sich später vor Gericht rühmt, er habe es eben mit seiner "verständnisvollen Art" geschafft, das Vertrauen des Beschuldigten zu erlangen, der ihm schließlich das Herz ausschüttete. Die Taktik besteht darin, Dich zunächst in eine Situation zu bringen, in der es Dir schlecht geht, damit dann einer als Dein "Freund und Retter" auftreten kann. Oft werden zu diesem Zweck auch Vernehmungen mit verteilten Rollen durchgeführt: Einer ist scheinbar der Sachliche, der die Vernehmung offiziell vornehmen soll. Zwei weitere Beamte sind im Raum entweder als Zuhörer oder scheinbar mit etwas anderem beschäftigt. Du verweigerst die Aussage. Dein sachliches Gegenüber versucht Dir in Güte zuzureden. Du schweigst. Er brüllt los: "Mit euch müßte man kurzen Prozeß machen..." Dabei kommt er Dir so nahe, daß seine Nase Dich fast berührt. Du riechst seinen Atem und bekommst seine Spucke ins Gesicht. Er brüllt weiter, bis nun dem Dritten die Sache "zuviel" wird. Er schickt den Schreier raus und befreit Dich von ihm. Er wird Dir sagen, daß sie den auch nicht leiden können, daß er bald versetzt wird. Dann bieten sie Dir eine Tasse Kaffee an. Du empfindest Dankbarkeit.
    Du sollst Dankbarkeit empfinden. Die Beamten wissen, daß wir in bestimmten Situationen nach bestimmten Mustern und Mechanismen zu reagieren pflegen. Wir sind einfach darauf getrimmt, jemandem, der uns hilft, dankbar zu sein oder dem, der uns Verständnis entgegenbringt, freundlich zu begegnen. Das muß im normalen täglichen Umgang auch nicht falsch sein.
    Aber diese eingeschliffenen Mechanismen des täglichen Lebens sind uns so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie auch in Situationen aktiv sind, wo sie überhaupt nicht angebracht sind. Das Verhältnis zwischen Beamten und Beschuldigten ist in keiner Situation geeignet, Freundlichkeit oder Dankbarkeit aufkommen zu lassen. Auch wenn es Dir schwer fällt, mit dem Beamten, dem Du "Dank schuldest", nicht zu sprechen, in ihm immer noch den Systemschergen zu sehen. Vergiß nicht, daß es Dein Recht ist, zu schweigen. Wenn der Beamte erst seine Macht darauf verwendet, Dich unter Druck zu setzen und dann den Druck lockert, ist es absurd, hierfür auch noch dankbar zu sein. Selbst wenn er den Kaffee aus eigener Tasche bezahlt, ist das eine Investition, die sich für ihn spätestens bei der nächsten Beförderung auszahlt.
    Diese "Retter" sind die gefährlichsten Personen in diesem abgekarteten Spiel. Sie wollen Deinen Kopf, Deine Aussage und Deinen Entschluß zum Geständnis. Du hast zu kämpfen, um ihnen zu widerstehen.
    Und wenn Du meinst, Deine Dankbarkeit wirklich nicht verkneifen zu können, kannst Du dem Beamten später, wenn Du aus der Sache raus bist, immer noch eine Büchse Bier als Dank schicken. Aber keine Aussage! Wenn der Beamte seine "menschliche" Seite zeigt, verweigere nicht nur jede Aussage, sondern laß Dich auf kein Gespräch von "Mensch zu Mensch" ein. Er wird Dir erzählen, daß er auch Kinder hat, die womöglich "rechts" eingestellt sind. Er findet vieles ja auch richtig und versteht auch die Jugend; er würde ja auch mitmachen. Er wird versuchen, Dich in eine Diskussion zu verwickeln, innerhalb der er Dich langsam auf eine Bahn bringen kann, die dann zu einer Aussage führt. Außerdem verstärkt sich Deine emotionale Beziehung zu ihm. Du findest ihn freundlich und fühlst Dich verstanden. Das hat zur Folge, daß Du bewußt oder unbewußt Dich selbst veranlaßt fühlst, freundlich zu ihm zu sein und ihn zu verstehen. Du beginnst jetzt Angst zu haben, ihn durch weiteres Verweigern zu "enttäuschen". Der Leim ist süß, auf den Du kriechen sollst.
    Ein weiteres Beispiel für die Taktik der Polizeibeamten: Sie versuchen, die Beziehung zu Personen, die uns emotional nahestehe, auszunutzen. Wenn sie anders nicht mehr weiterkommen, greifen die Beamten zu dem Mittel, den zu Vernehmenden mit seinen Eltern, seinen Freunden, seinem Ehepartner, seinen Kindern oder anderen Personen zusammenzubringen. Sie gehen davon aus, daß es in unserer Verwandtschaft oder unter den Menschen, denen wir uns verbunden fühlen, jemanden gibt, der in der Lage ist, uns umzustimmen. Die Spekulation der Beamten ist folgende: Sie sehen, Zwang und Drohung, Überredung und Verängstigung helfen nicht. Sie haben auch keine Beamten, die in der Lage sind, zu Dir eine emotionale Beziehung aufzubauen, so daß Du dem Beamten zuliebe aussagen würdest.
    Also wählen sie unter Deinen Bezugspersonen Leute aus, denen zuliebe Du einiges tun würdest, die Du nicht enttäuschen willst, denen gegenüber Du Anlaß zu Respekt oder Dankbarkeit hast.
    Es müssen Personen sein, die politisch und juristisch nicht durchblicken, also nicht durchschauen, wofür sie benutzt werden sollen. Sie sollen die Doppelrolle des Lockvogels spielen: Einerseits Deinesgleichen, mit Dir befreundet oder verwandt, andererseits im Dienst derer, die Dich kleinkriegen wollen. Und sie merken es nicht, weil sie oft einem anderen Denken und Wissen verhaftet sind. Die Frage, ob Du aussagst oder nicht, soll zu einer Entscheidung zwischen Dir und Deinen Eltern, zur Existenzfrage Deiner Beziehung zu ihnen hochgeschraubt werden.
    Es gehört zu den größten Zynismen der Polizei, die Eltern eines Betroffenen zu benutzen, um ihn in die Knie zu zwingen. Jeder weiß, daß gerade die Eltern den Angstmechanismen noch viel mehr unterworfen sind als wir, die wenigstens einen relativ größeren Durchblick haben. Eure Eltern haben den Beamten gegenüber häufig überhaupt keine Widerstandskraft. Sie scheuen sich noch mehr als ihr, dem freundlichen Beamten "unfreundlich", also angemessen zu begegnen. Sie sind in ihren Zweifeln oft schnell genug bereit einzusehen, daß es für ihr Kind doch nicht gut sei, sich weiterhin zu weigern. Sie sind meist die geeignetsten Opfer für alle Drohungen und Schwarzmalerei der Beamten. Dann kommen sie zu Dir in die Zelle. Es geht Dir nicht gut. Sie sehen das und Du siehst sie weinen, leiden und Dich beschwören. Und Du sagst kein Wort. Aber Du hast Angst, sie ganz kaputt weggehen zu sehen. Du weißt nicht, wie Du ihnen Deine Lage begreiflich machen sollst. Du entwickelst Ihnen gegenüber Schuldgefühle. In dieser Situation darfst Du nicht vergessen, daß Deine Schuldgefühle die genau einkalkulierte fünfte Kolonne der Beamten sind. Die Schuldgefühle sollen in Dir die Arbeit der Beamten leisten und Dich zum Umfallen bringen. Diese Situation ist gegenüber Deiner Frau, Deinem Mann oder Kindern noch viel schlimmer, weil sie zu der emotionalen Seite noch Deine Verantwortung für sie hinzufügen.
    Zu ihnen darfst Du ein Wort sagen: Sie sollen mit Deinem Anwalt sprechen; der kann ihnen dann erklären, wie Deine Situation aussieht. Aber nur mit Deinem Anwalt.

    Die Taktik des "Sie haben gewonnen"

    Eine weitere Gefahrenquelle ist die Euphorie, die sich einstellt, wenn man meint: Ich habe es geschafft. Fast jeder weiß, wie man sich fühlt, wenn man aus einer Drucksituation befreit wird. Man ist gesprächig, fröhlich und redet wie aufgedreht; z.B. wenn man eine Klassenarbeit, eine Klausur oder eine Prüfung erfolgreich hinter sich hat. Man fühlt sich unbeschwert, wenn man die Last los ist. In dieser Stimmung hat man wenig Lust, noch weiter an die Strapazen zu denken. Man vergißt schnell die Mühsal und damit leider auch jede Vorsicht. Nach einer langwierigen Druckperiode in einem Vernehmungszimmer, nach allen möglichen Beschimpfungen, Anfeindungen und all den Strapazen wird plötzlich gesagt: Schluß, es hat keinen Zweck, er will nicht, gut. Sie haben gewonnen. Du bist froh, stolz und weißt, daß Du gut warst. Warst Du auch. Aber Schluß ist eben nicht dann, wenn sie es sagen. Jetzt beginnt ein neuer Rollenwechsel. Du siehst die Beamten, mit denen Du zu tun hattest, erschöpft. Sie waren erfolglos. Sie übergeben Dich jetzt einem anderen, den Du noch nicht kennst. Der hat nur den Auftrag, mit Dir etwas zu essen, oder Dich ins Gefängnis zurückzubringen. Er scheint völlig unverdächtig. Er fragt Dich, ob Du sie fertiggemacht hast. Er spielt Schadenfreude. Du freust Dich, daß Du jemanden hast, der Deine Freude teilt - aber auch er wartet nur auf Deine Worte.
    Geändert von Denis (03.04.2005 um 08:10 Uhr)

  15. #15
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    Teil II

    Und fuer den Fall der Faelle:
    =============================
    Hausdurchsuchungen

    Rechtsgrundlage für Hausdurchsuchungen sind die §§ 102 ff. StPO.

    Diese Vorschriften schränken das in Artikel 12 des Grundgesetzes garantierte Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung ein. Das Gesetz regelt ausführlich, wann und unter welchen genau beschriebenen Bedingungen in dieses grundsätzlich geschützte Rechtsgut eingedrungen werden darf: Nur auf richterliche Anordnung. Lediglich bei Gefahr im Verzug auch auf Anordnung der Staatsanwaltschaft oder bestimmter Kriminalbeamter (§ 105 StPO); Nachts darf dies nur bei Verfolgung auf frischer Tat oder bei Gefahr im Verzug angeordnet werden (§ 104 StPO); Wenn kein Richter oder Staatsanwalt der Durchsuchung beiwohnt, so sind wenn möglich ein Gemeindebeamter oder zwei andere neutrale Zeugen zuzuziehen (§105 Abs. 2 StPO); Eine Durchsicht der Papiere des von der Durchsuchung Betroffenen steht nur dem Richter zu, es sei denn, der Betroffene ist mit der Durchsicht durch andere einverstanden (§ 110 StPO). Für den normalen Recht empfindenden Bürger, der keine einschlägigen Erfahrungen hat, liest sich das Gesetz wie ein Katalog von rechtsstaatlichen Garantien zur Wahrung seiner Wohn- und Lebenssphäre als Schutz vor polizeistaatlichen Eingriffen. Bestimmte Gesetzestexte sind reine Justizpropaganda. Mit ihnen soll bei allen, die sie lesen, der Glaube an die heile Justizwelt erhalten werden. Jeder, der Erfahrung mit Hausdurchsuchungen hat, weiß, daß die Praxis anders aussieht.
    Die Ermittlungsbehörden bedienen sich dabei des Begriffes der "Gefahr im Verzug". Was vom Gesetzestext her als Ausnahme formuliert ist, wird in der Praxis zur Regel. Ohne im Einzelnen näher zu begründen, worin die Gefahr zu sehen ist, wird unter Umgehung von Gericht und Gesetz in vielen Fällen so verfahren, als gäbe es weder Grundgesetz noch StPO. Der Rechtsbegriff "Gefahr im Verzug" wird zur leeren Legitimationsfloskel für rechtswidrige Ermittlungsmethoden: Beschwerde gegen die Hausdurchsuchung einzulegen ist sinnlos, weil sie keine aufschiebende Wirkung hat. Da das Gericht aber erst entscheidet, wenn die Beamten längst über alle Berge sind, ist die Beschwerde gegenstandslos. Eine beendete Maßnahme läßt sich nicht mehr verhindern. Eine Strafanzeige gegen die verantwortlichen Beamten etwa wegen Hausfriedensbruch im Amt oder wegen Nötigung ist sinnlos. Die Anzeige wird von der Staatsanwaltschaft und der Kripo bearbeitet. Selbst wenn ein rechtlich denkender Staatsanwalt oder Kriminalbeamter diese Methoden für ungesetzlich halten sollte, so wird dieser doch nicht gegen seinen Chef, der wieder einen Chef hat, ein Verfahren durchsetzen können.
    Kurzum: Die Polizei stürmt Deine Wohnung bei Tag und Nacht, wie und wann sie will. Gefahr im Verzug ist immer. Zeugen sind "leider" nie erreichbar. Anwalt? Was wollen Sie denn mit dem? Hilft nur noch eins: Die ganze Aktion wie einen Heuschreckenschwarm über sich ergehen lassen, damit der Schaden möglichst gering bleibt. Das kostet Nerven. Diesen Aufwand an Angst und Nervenkraft kannst Du gering halten, wenn Du von vornherein folgendes berücksichtigst:
    Es gehört zur Taktik der Polizei, Durchsuchungen zu einer Zeit durchzuführen, in der Du am wenigsten damit rechnest und am wenigsten widerstandsfähig bist. Auf diese Weise erhofft man sich Angstreaktionen von Dir, die als Ermittlungshinweise für die Polizei wertvoll sein könnten. Also kommt man am frühen Morgen vor dem Aufstehen. Es klingelt oder klopft an der Tür zu einer Zeit, in der nur gute Bekannte zu Dir wollen. Die Beamten stürzen schwer bewaffnet in unbegreiflichen Mengen an Dir vorbei und besetzen alle Räume in der Wohnung. Du siehst Uniformen neben Deinem Bett und wenn Du aufs Klo willst, mußt Du erst einen Beamten verscheuchen. Deine Wut wird durch Deine Ohnmacht gesteigert. Deine Hilflosigkeit macht Dir Angst. All diese Reaktionen stärken die Gegenseite. Mach Dich von Deinem inneren Zwang frei, indem Du Widerstand leistest. Äußere Empörung über Zweck und Recht der Aktion. Auch hier gilt: Nichts sagen! Auch wenn man die Sache dadurch verlängert; du bist rechtlich nicht verpflichtet zu helfen. Am besten ist, wenn Du Dir in einer ruhigen Stunde mal überlegst, wie Du im Falle einer Durchsuchung reagierst. Dann bist Du mindestens gedanklich darauf vorbereitet und kannst Dich zu einer angemessenen Reaktion zwingen, da Du nicht lange nachzudenken brauchst. Versuche so zu reagieren, als geschehe das jeden Tag. Gib den Beamten nicht die Gelegenheit, sich daran zu weiden, wie Du Dich vor ihnen in Deinem Bett oder Nachtgewand schämst. Wenn sie schweinische Bemerkungen machen, so gehe nicht darauf ein.
    Sie legen es darauf an, Dich zu provozieren. Gib ihnen nicht die Ehre, in diesem provozierenden Spiel ihr Partner zu sein. Betrachte sie wie geschlechtslose Wesen, vor denen sich zu schämen überflüssig wäre. Womöglich ist es gerade ihre Angst vor dieser Geschlechtslosigkeit, die sie mit ihren Provokationen töten wollen. Du bist der Überlegene, wenn Du Dich nicht darauf einläßt.
    Geh in die Küche und koche Dir einen Kaffee. Lies die Zeitung und lenke Dich ab. Versuch nicht etwas "zu retten". Das geht meistens schief. Auf solche Reaktionen ist die Polizei vorbereitet. Darin hat sie Erfahrung. Das lernt sie bereits auf der Polizeischule.
    Nach zwei Stunden spätestens sind sie
    weg. Dann ist der Spuk vorbei und Du bist um eine Erfahrung reicher.
    Allerdings ist für Deine persönliche Ruhe einiges zu beachten:
    Verliere nie den Überblick über Sachen, die in Deiner Wohnung sind. Bewahre keine Sachen auf, die nicht unbedingt für Dich von Bedeutung sind. Lege keine Korrespondenzarchive an. Mach Dich frei von Souvenir- und Dokumentenfetichismus. Es gibt Kameraden, die schon jetzt dafür arbeiten, daß die spätere Geschichtsforschung möglichst lückenlos Material über unsere Aktivitäten erhält. Wer Adressen, Waffen usw. in seiner Wohnung aufbewahrt, zeigt damit, daß er nur noch in einer Hinsicht ernst zu nehmen ist: Als Gefahr für seine Kameraden und sich selbst. Hausdurchsuchungen kommen plötzlich. Sie kündigen sich nicht durch Sternzeichen und andere geheimnisvolle Zeichen an.
    Laß Dich nicht dazu überreden, für Unbekannte oder "gute Freunde" Sachen in Deiner Wohnung unterzustellen, von denen Du nicht beurteilen kannst, wozu sie gut sind oder woher sie stammen. Nicht selten folgt solchen Provokationen die "fündige" Hausdurchsuchung auf dem Fuße.
    Das ganze klingt, als sei das Ertragen einer Hausdurchsuchung ein Kinderspiel. Das ist es ganz bestimmt nicht. Kaltschnäuzigkeit und besonnen zu bleiben kostet eine Menge Energie. Es ist nicht einfach, wenn Du zusehen mußt, wie die Beamten mit zynischen Bemerkungen Deine persönlichen Sachen durchschnüffeln, oder wie sie Sachen behandeln, die Dir wertvoll sind. Sie werfen Deine Bücher auf die Erde und schütteln sie, daß die Seiten fliegen. Es ist vorgekommen, daß sie Lebensmittel auf den Fußboden ausschütten, weil sich schließlich die gesuchten Sachen in den Tüten befinden könnten. Wer sich später dagegen erfolgreich zur Wehr setzen will, ist meist in Beweisschwierigkeiten. Sieh zu, daß es Leute gibt, die bezeugen können, in welchem Zustand Deine Wohnung sich gewöhnlich befindet und wie aufgeräumt sie ist.
    Wenn Du Kinder hast, überlege Dir jetzt schon einmal, was Du mit ihnen tust, falls die Polizei kommt. Die Angst, in so einem Fall allein zu sein oder nicht zu wissen wohin, stärkt die Gegenseite gewaltig. Kläre Deine Kinder darüber auf, was die Polizisten machen, wenn sie kommen, und wie man sich verhalten soll.
    Übrigens: Die Polizei kommt manchmal mehrmals hintereinander, weil sie denkt, man sei blöd und hole nach überstandener Gefahr jetzt all die gesuchten Sachen hervor. Auch das ist Routine und darf Dich nicht aus der Fassung bringen.
    Wenn die Polizei vor deiner Tuere steht, wird sie zudem SEHR LAUT und auffaelig auftreten, damit auch ja alle im Haus es mitbekommen und in der Hoffnung das sie in die Wohnung gebeten werden. Wenn Sie keinen Durchsungsbefehl haben, laß sie nicht rein!

    Festnahmen

    Bei Festnahmen erscheint meist ein Polizeiaufgebot in einer Stärke und Bewaffnung, die die Aktion für Dich unübersehbar und undurchschaubar macht. Das soll Dir den Eindruck vermitteln, man hätte derart viele Erkenntnisse über Deine Gefährlichkeit, daß man Dich eigentlich auch auf der Stelle erschießen könnte. Mancher hat sogar die Beobachtung gemacht, daß die Beamten provozierend am Abzug ihrer Waffe spielten. Dir fällt dann ein, daß Du ja nicht der erste wärst, der bei so einer Gelegenheit auf der Straße stirbt. Die Angst, die Du dann hast, ist wohl berechtigt, aber von den anderen genau einkalkuliert. Ein Polizist, der seine Finger am Abzug nicht beherrschen kann, wird erfahrungsgemäß nach außen hin abgeschirmt. Die Pressepolitik der Polizei ist geschickt genug, um mit einigen in Kauf genommenen kritischen Abstrichen ungeschoren aus einem solchen Fall hervorzugehen. Der Beamte selbst hat aber in der Folge eine solche Fülle von Scherereien, daß er schon sehr abgebrüht sein muß, um auf einen noch so wichtigen Festgenommenen zu schießen. Die Beamten haben einen Haufen von Vorgesetzten, die sich alle nach oben reinwaschen. Verfehlungen werden nach unten weitergegeben. Sie kennen keine Kameradschaft, sondern nur Kumpanei. Jeder von ihnen will befördert werden. Jeder weiß, daß die Stellen begrenzt sind. Also konkurrieren sie. Sie wünschen dem Kollegen Niederlagen. Sie gönnen den Vorgesetzten den Anschiß von seinem Chef. Sie arbeiten unter Streß und wissen doch oder fühlen zumindest, daß eine Polizei mit ihrem Apparat noch lange keine Gewähr gegen eine nationale Revolution bietet.
    Das soll natürlich nicht heißen, daß Du nun "Verständnis" oder gar Mitleid für die Lage der Polizeibeamten haben oder Dich gar aufgrund einer gemeinsamen "Gesellschaftssituation" mit ihnen verbrüdern sollst.

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