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Gabi
09.10.2004, 00:34
hallo alle

Wir machen hier in Mannheim, im November, im Rahmen eines Tages der Selbsthilfegruppen einen Stand zu Cannabis als Medizin.
Ich würde ganz gerne auf der Stellwand
ein paar subjektive Erfahrungsberichte zu verschiedenen Krankheitsbildern bringen.
Stellen mir welche ihre Erfahrungsberichte
(evtl modifiziert für unerfahrene Patienten )
zur Verfügung ?

Die Aufbereitung des Materials stell ich gerne auch anderen dann zur Verfügung, wenn ihr bei ähnlicher Gelegenheit auch sowas plant.

Und wenn hier noch welche aus der Gegend Mannheim/ Ludwigshafen sind: wär doch ne gute Gelegenheit, sich mal zu treffen (2. vorsichtiges Heranpirschen ;-) )

viele Grüße
Gabi

auge
09.10.2004, 11:08
hallo Gabi,

ich mach mir mal gedanken, wie ich das ganze formuliere.

gibt es bezueglich der laenge oder des inhalts schon vorstellungen von euch ?

love and light
auge

Gabi
09.10.2004, 23:13
hallo Auge

Ich denke mal, es sollte nicht so lang sein, damits auch gelesen wird und klar vermitteln, wie C. bei der speziellen Symptomatik geholfen hat.
Danke für die Antwort und
liebe Grüße
Gabi

auge
10.10.2004, 10:29
hallo Gabi,

hier die erste version meines erfahrungsberichtes als gezipte .pdf-datei.

falls ein anderes dateiformat, andere schriften oder aenderungen gewuenscht sind, ist das auch kein problem.

love and light
auge

Gabi
10.10.2004, 22:57
danke Auge, das ist ok so und ich hoffe ,dass andere auch noch antworten.

Wo seid ihr denn alle? Vorwinterdepression?

liebe Grüße
Gabi

rüdeberta
12.10.2004, 00:08
Hallo Gabi Hallo Alle
Bei mir sind es eher Vorverhandlungsdepressionen


Hier ein kurzer Bericht in verständlicher Sprache.

Wie mir Cannabis hilft
Diagnosen:
HMSN Typ 1 (Schmerzen, Mißempfinden. Gleichgewichts- u.Koordinationsstörungen,Krämpfe, Muskelschwund,"zappelige Arme und Beine,Krumme Finger, spontane Ausfallerscheinungen)
Osteoporose (Naja, so 1 bis 2 Mal im Jahr brech ich mir halt irgendwas)
Hepatitis C (Appetitlosigkeit, starker Juckreiz,Müdigkeit)
Tinitus (der jault so vor sich hin)
seit ein paar Wochen etwas Asthma
daraus resultierende Depressionen (sagte meine Ärztin)
Was tut nun Cannabis für mich?
Schmerzen und schmerzhafte Missempfindungen werden seltener und nehmen an Stärke ab. Krämpfe kommen kaum noch vor. Arme und Beine beruhigen sich. Ich kann ein- und durchschlafen. Hab richtig Hunger muß mich nicht mehr kratzen wie ein Straßenköter und ganz nebenbei hilft es mir ungemein bei der bewältigung meiner Depressionen die nicht aus meinen Krankheiten entstanden sind sondern aus der Ignoranz deutscher Behörden und Gesetzgeber.



Ich hoffe Dir/Euch damit einwenig weitergeholfen zu haben.

Gruß:
rüdeberta

Gabi
12.10.2004, 22:29
danke, ihr seid klasse.
Gruß Gabi

Geheimrat1
13.10.2004, 18:37
Hi,

habe meine Beiträge hier aus dem Forum etwas gekürzt, denn damit kann man durchaus an einem Infostand informieren. Wann soll das genau stattfinden? Gucke bestimmt auch mal vorbei!

Querschnitt:
Seit 22 Jahren rauche ich Gras bzw. Haschisch, weil ich an einer inkompletten Querschnittslähmung leide und mir das kiffen sehr gut gegen die damit verbundene Spastik hilft.

Epilepsie:
Unter Cannabis konnte ich die Medikamente gegen Krampfanfälle auf ein Minimum reduzieren. Seit einigen Jahren bin ich krampffrei!

Krebsleiden:
Vor 2 Jahren erkrankte ich an einer sehr seltenen Krebsform - ein Sarkom. Nur 1 unter 300.000/Jahr erkrankt daran.
Dieses entwickelte sich aus einem Lipom (Fetttumor i.d.R. gutartig) unterhalb der linken Schulter und entartete zu einem sog. Liposarkom (extrem bösartig). Diese Tumorform metastasiert eigentlich immer – besonders gerne in die Lunge und ins Gehirn.
Jetzt der springende Punkt: Ich hatte keine Metastasen! Alle Onkologen (Krebsfacharzt) wunderten sich nicht nur darüber, sondern hielten das geradezu für eine med. Sensation, für die niemand eine Erklärung hatte.
Da ich aber gelesen hatte, dass bez. Zellschutz durch Cannabinoide (bes. in Säurenform – wie sie auch in der Natur vorkommen) einige neue Studien anlaufen sollen.
Daher habe ich dann meine eigenen Schlüsse ziehen können. Denn auffällig ist, dass das Lipom schon ´95 diagnostiziert wurde und ich bis zur Entartung 3 OP´s, bei denen das Lipom exponiert wurde und jedes Mal die Diagnose – gutartig gestellt wurde. 9 Monate vor der vorletzten OP (9/2000) (Lipom wuchs immer nach), hörte ich mit dem Kiffen auf, weil ich mehrere Urinproben abgeben musste, um meinen Führerschein wieder zu kriegen. Wie schon erwartet, wuchs das Lipom wieder nach. Die 3. OP wurde schon 1 Jahr später durchgeführt (Es wuchs immer schneller), pathologischer Befund: gutartig (im Nachhinein wurde eben dieses Exponat noch einmal auf Malignität geprüft – Befund: bösartig – Sarkom).
Jetzt wuchs das Ding innerhalb von 3 Monaten so schnell, dass noch eine OP nötig wurde. Jetzt erst wurde Malignität festgestellt!!!
Das heißt für mich, dass das Lipom in genau der Zeit, in der ich 14 Monate Kiffpause eingelegt habe entartet sein muß!!!
Aus genau diesem Grunde bin ich überzeugt davon, dass Cannabinolsäure einen so guten Zellschutz bietet, dass selbst vorhandene gutartige Tumore nicht entarten können!!!

Im Übrigen hat mir Cannabis während der Chemotherapie nicht nur die Übelkeit genommen (hab in der Klinik mit Einverständnis der Onkologen auf dem Klo gekifft), sondern auch dafür gesorgt, dass ich kaum Gewicht verloren habe. Es wirkte also sowohl gegen die Übelkeit, als auch gegen die Appetitlosigkeit bedeutend besser, als irgendwelche chem. Mittelchen wie VERGENTAN, ZOFRAN, o.ä., die in solchen Fällen indiziert sind.

Studienergebnisse:
Cannabis als Krebs-Bremse! US-Studie: Ausbreitung von Gamma-Herpes-Viren kann blockiert werden - Forscher warnen jedoch vor Griff zum "heilenden" Joint

Cannabis-Substanzen hungern im Laborversuch Hirntumore aus. Bildung von Blutgefäßen verhindert



Gruß Frank

Gabi
13.10.2004, 20:22
hallo Frank
das ist am 6.November von 10:00 bis 16:30 im Stadthaus.
Freu mich, dich mal wieder zu sehen.

dann mal
liebe Grüße
Gabi

auge
13.10.2004, 21:19
hallo,

hier mein erfahrungsbericht nochmal als normaler text.


Ich bin männlich, 40+ Jahre alt und seit 20 Jahren Konsument von Cannabis.
In den Zeiten, in denen ich Cannabis geraucht habe, verschwanden meine häufigen Kopfschmerzen, als deren Ursache ich Verspannungen in der Rückenmuskulatur vermutete.
Mit den Jahren steigerte sich die Dosis, ich hatte aber auch immer wieder Phasen, in denen ich dachte, drogenfrei wäre doch der bessere Weg. Dann aber kamen die Kopfschmerzen wieder. Ich griff nach mehr oder weniger Zeit wieder zur Haschzigarette. Und fühlte mich schlecht, weil ich dachte, ich wäre abhängig.
An meine Augen habe ich damals nicht gedacht. Mir fiel nur auf, dass ich bei gutem Haschisch klarer sehen konnte.
Richtig wohl habe ich mich aber eigentlich nur gefühlt, wenn ich den ganzen Tag geraucht habe.


Seit Mai 2003 weiss ich, dass mein Sehnerv geschädigt ist. Mein Augenarzt führt das auf erhöhten Augeninnendruck zurück.
Ich medikamentiere dieses Problem mit Cannabis, weniger geraucht, mehr gegessen.
Der Augeninnendruck lässt sich gut damit einstellen.
Der Druck liegt bei 12 - 13, wenn ich mich gut berauscht fühle.
Normal berauscht liegt der Druck bei 16.
Alle Messfelder bei der Retina-Tomografie liegen im grünen Bereich.



Die besten Resultate erziele ich mit indicalastigen Marijuanasorten ( Afghani, Northern Lights, u.ä.) und hochwertigen Haschsorten ( Grüner und Schwarzer ).
Leichte rauschbedingte Nebenwirkungen.

Schlechte Erfahrungen habe ich mit sativalastigen Marijuanasorten ( Skunk u.ä.) und roten Haschsorten.
Starke rauschbedingte Nebenwirkungen.

Die meisten Konsumenten bevorzugen die schwindeligmachenden Sativasorten und die roten Haschsorten. Darum dominieren diese Sorten den Markt.

Geraucht setzt die Wirkung schneller ein und kann besser kontrolliert werden.
Es sind hohe Dosen THC nötig, um den Druck zu senken.

Unerfahrene Patienten sollten versuchen, einen erfahrenen Arzt oder Konsumenten ihres Vertrauens zu suchen, der bei der Dosisfindung behilflich ist.


love and light
auge

Thorsten
15.10.2004, 11:35
Hallo Gabi,

hier mal mein Erfahrungsbericht.

Ich bin männlich, 37 Jahre alt und erlitt als 16-Jähriger einen schweren Verkehrsunfall.
Zwei Freundinnen und ich wurden an einem Dezemberabend von einem PKW auf dem Bürgersteig angefahren. Der Beifahrer war betrunken und hatte dem Fahrer ins Lenkrad gegriffen.
Die Folgen waren bei mir:
Oberschenkelfraktur beidseits, Schädelhirntraum, Lungenriss.
Am Oberschenkel links bekam ich dann eine Osteomelitis, was zur Folge hatte, dass in den 10 Jahren nach dem Unfall etwas über 40 Operationen hatte. Das linke Knie ist seither eingesteift, ich habe ein Streck- als auch ein Beugedefizit welches sich im laufe der Jahre auf meine Statik dermassen negativ ausgewirkt hat, dass nun auch noch meine Wirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen ist. (Bandscheibenprotusion, dauernde reizung und entzündung des Ischiasnervs)

Am Rande sei hier noch kurz erwähnt, dass die Herrschaften, die den Unfall verusacht haben freigesrpochen wurden.
Ich darf garnicht darüber nachdenken wie in unserem Lande mit "Rechtsprechung" umgegangen wird. Die Jungs haben es sich damals recht einfach gemacht. Der Fahrer sagte mein Beifahrer hat mir ins Lenkrad gegriffen, der Beifahrer sagte das stimmt alles garnicht und die Freundin des Beifahrers konnte sich nicht so recht für eine Aussagevariante entscheiden. Das Ende vom Lied war Freispruch, da Aussage gegen Aussage.
Schaut man sich dann mal an wie mit Menschen umgeganen wird, die Cannabis als Medizin konsumieren, dann fällt einem nichts mehr dazu ein.
Aber das nur mal ganz am Rande.

Meine Erfahrungen mit Cannabis habe ich zunächst dann erst mal so gemacht, dass ich hier und dort mal eine mitgeraucht habe oder einen Kakao getrunken habe was mir immer sehr gut bekam.

Seit ich mich mit dem Thema Cannabis als Medizin beschäftige und nun Cannabis auch lediglich als Medizin zu mir nehme, geht es mir von den Schmerzen her relativ gut. Ich schreibe relativ gut, da ich Cannabis, wenn überhaupt zur Zeit nur abends und auch nur in geringen Mengen zu mir nehme, um wenigstens dann schmerzfrei zu sein und somit gut einschlafen und auch durchschlafen kann.
Ich kann zusammenfassend nur sagen, dass sich meine Lebensqualität doch um einiges verbessert hat.

Mittlerweile konnten meine Frau und ich auch meinen Vater (68) von der Verwendung von Cannabis als Medizin überzeugen.
Er leidet an Glaukom und wurde deswegen schon mehrfach operiert. Weiterhin hat er große Probleme mit den Hüftgelenken (prothesen links und rechts, wobei die linke Hüfte schon zum zweiten mal ausgetauscht wurde) und den Schultergelenken. Beides verusacht bei Ihm ziemliche Schmerzen.

Ich kann nur Hoffen, dass sich bezüglich der Anwendung von Cannabis als Medizin die politische Einstellung aller Parteien in naher Zukunft ändert.
Politiker die weiterhin versuchen das zu verhindern, müssten eigentlich wegen grobfahrlässiger Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung verklagt werden. Gibt es doch mittlerweile viele wissenschaftliche und nichtwissenchaftliche untersuchen zu diesem Thema die eine ganz Klare Aussage über die positive Wirkung von Cannabis machen.

liebe Grüße

Thorsten

Gabi
22.11.2004, 12:20
hallo alle

ich war ein Weilchen ausgefallen und mein Computer auch. Jetzt läuft zumindest die Maschine wieder.
Da ihr mich ja so klasse mit euren Beiträgen unterstützt habt, will ich doch auch Rückmeldung geben.
Wir haben den Stand -wie angekündigt- gemacht und ich fand das ne echt gelungene Sache.
Hab ja bisher schon ab und zu mal nen Stand bei Veranstaltungen der Legalisierungs"bewegung" gemacht und war hinterher meist enttäuscht, angesichts des mangelnden Interesses, das auf der anderen Seite ja auch verständlich ist, aufgrund fehlender Betroffenheit.
Bei dieser Veranstaltung waren fast ausschließlich Patienten oder deren Angehörige. Von den ca 40 Leuten, die sich bei uns am Stand beraten ließen, waren mehr als die Hälfte Patienten, die Cannabis als Medikament brauchen oder verwenden.
Mir wurde mal wieder sehr klar, wie isoliert die Einzelnen mit diesem Problem dastehen (eine MS-Patientin erzählte z.B. von ihrer Freundin,der es schonmal passiert ist, dass die Pflegekraft den Joint halt erst am nächsten Tag dreht, wenn sie nicht fuktioniert,wie sie soll) und wie nötig ein Selbsthilfe-Netzwerk
wäre, das u.a. auch politische Arbeit vor Ort betreibt.
Es kam z.B. auch eine SPD-Stadträtin vorbei, die vor ein paar Jahren in die Organisation einer Benefizveranstaltung zur Verfassungsklage beteiligt war. Hat erzählt, dass sie das Problem
seitdem in alle Gesundheitsgremien einbringt. Hatte fast ein schlechtes Gewissen, dass ich die ganze Zeit nicht auf die Idee
gekommen war, sie weiter zu informieren.
Soweit mal


liebe Grüße
Gabi