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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Informationen zum Abrechnen von Cannabis für Apotheker



Chris
12.12.2017, 11:26
http://www.apothekerverein-saar.de/wpscripts/05_01_A_Z.pdf
....
Seite 24

"Cannabis"

Am 19.01.2017 hat der Gesetzgeber die Verschreibungsfähigkeit für Cannabis hergestellt. Demnach können Ärzte nun weitere Cannabis-Arzneimittel (z.B. getrocknete Medizinal-Cannabisblüten und Cannabisextrakte in pharmazeutischer Qualität) – unter Einhaltung der arzneimittel- und betäubungsmittelrechtlichen Vorgaben – auf einem Betäubungsmittelrezept verschreiben. Die Abgabe der entsprechenden Arznei- mittel an die Patienten wird nach Vorlage des Rezeptes in der Apotheke erfolgen.

(...Gesetzestext...)

Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen:
Die Kostenübernahme muss vor Beginn der Therapie von der Krankenkasse genehmigt werden. Der Kostenübernahmeantrag muss vom Patienten zusammen mit einem Schreiben des behandelnden Arztes, in dem die Gründe für die gewählte Cannabistherapie beschrieben werden, an die Krankenkasse geschickt werden.

Die Apotheke ist nicht verpflichtet zu prüfen, ob eine Genehmigung der Krankenkas- se vorliegt. Die Verantwortung liegt beim Arzt.

Der Abrechnungspreis von Cannabishaltigen Zubereitungen oder Cannabis-Blüten berechnet sich nach den Regelungen der Hilfstaxe für Apotheken, §4 AMPreisV Re- zeptur, unverarbeitete Abgabe oder §5 AMPreisV Rezeptur, Zubereitungen.

Für die Abrechnung von Cannabis zur medizinischen Verwendung wurden 3 neue Sonder-Pharmazentralnummern eingeführt:
Sonderkennzeichen 06460665 für die Abrechnung von Cannabishaltigen Zubereitungen
Sonderkennzeichen 06460694 für die Abrechnung von unverarbeiteten Cannabis-Blüten
Sonderkennzeichen 06460671 für die Abrechnung von Cannabishaltigen Fertigarzneimitteln ohne Pharmazentralnummer

Bitte beachten Sie:

Das Sonderkennzeichen 06460665 ist für alle Dronabinolhaltigen Zubereitungen sowie für alle Cannabishaltigen Zubereitungen zu verwenden.
Falsch wären hier die Sonderkennzeichen 09999011, 09999005, 09999117 und 09999206.
Das Sonderkennzeichen 06460671 ist derzeit für die US-amerikanischen Arzneimit- tel Marinol® und Syndros® zu verwenden.
Falsch wären hier die Sonderkennzeichen 09999117 und 09999206.

Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat ein FAQ erarbeitet, das in dem für Apotheker geschützten Bereich auf der Homepage der ABDA unter der Rubrik "Info- Projekte" zu finden ist.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte unter www.bfarm.de, im Handbuch des SAV im Bereich „Für Mitglieder“: Sonstiges/ Cannabisgesetz FAQ und auch im Faxmailing 25/2017 vom 09.06.2017.

Sonderkennzeichen Cannabis:
06460694 Abrechnung von unverarbeiteten Cannabis-Blüten
06460665 Abrechnung von Cannabis-haltigen Zubereitungen
06460671 Abrechnung von Cannabis-haltigen Fertigarzneimitteln ohne PZN


Edit:
-> also dürfen doch alle Apotheken med. Cannabis unverarbeitet abgeben und sind nicht zu dem 100% Preisaufschlag gezwungen.
Ähnliche Informationen hier:
https://www.deutschesapothekenportal.de/fileadmin/user_upload/download/arbeitshilfen/dap_arbeitshilfe_sonderkennzeichen.pdf
https://www.kvsh.de/admin/ImageServer.php?download=true&ID=4661@KVSH
https://www.gkv-datenaustausch.de/media/dokumente/leistungserbringer_1/apotheken/technische_anlagen_aktuell/TA1_028_20170124.pdf

Wonder Woman
12.12.2017, 19:19
Warte mal, Du verwechselst da gerade etwas, fürchte ich.

Der Aufschlag von 100 % muss laut AMPreisV auf alle Cannabis-Arzneimittel berechnet werden.

Was bei der Abgabe von unverarbeiteten Blüten wegfällt ist der ZUSÄTZLICHE NRF-Zuschlag für die Portionierung und/oder Zerkleinerung! :)


Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV)
§ 4 Apothekenzuschläge für Stoffe (1) Bei der Abgabe eines Stoffes, der in Apotheken in unverändertem Zustand umgefüllt, abgefüllt, abgepackt oder gekennzeichnet wird, sind ein Festzuschlag von 100 Prozent (Spanne 50 Prozent) auf die Apothekeneinkaufspreise ohne Umsatzsteuer für Stoff und erforderliche Verpackung sowie die Umsatzsteuer zu erheben.

(2) Auszugehen ist von dem Apothekeneinkaufspreis der abzugebenden Menge des Stoffes, wobei der Einkaufspreis der üblichen Abpackung maßgebend ist.
(3) Trifft die für die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen gebildete maßgebliche Spitzenorganisation der Apotheker mit dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen Vereinbarungen über Apothekeneinkaufspreise, die der Berechnung zugrunde gelegt werden sollen, so ist der Festzuschlag für die durch diese Vereinbarungen erfaßten Abgaben abweichend von den Absätzen 1 und 2 auf diese Preise zu erheben. Das Gleiche gilt, wenn Sozialleistungsträger, private Krankenversicherungen oder deren Verbände mit Apotheken oder deren Verbänden entsprechende Vereinbarungen treffen; liegt eine solche Vereinbarung nicht vor, kann auf die nach Satz 1 vereinbarten Preise abgestellt werden.






Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/ampreisv/__4.html

moepens
12.12.2017, 21:40
Die Preisbildung ist ja öffentlich einsehbar. Unverarbeitete Blüten sind nur in einzelnen Packungen (minimal) günstiger, bei größeren Mengen sind sie leider unlogischerweise teurer als die verarbeiteten Blüten.

Chris
14.12.2017, 07:29
naja, aber es wird ja nichts "umgefüllt, abgefüllt, abgepackt oder gekennzeichnet"
Das Medikament wird wie jedes andere ungeöffnet weitergegeben

moepens
14.12.2017, 08:20
Dann hält sich die Apotheke eben nicht an die Vorschriften, trotzdem gelten die Regelungen.

Wonder Woman
14.12.2017, 11:35
"Kennzeichnen" ist wohl, wenn die Apotheke den Namen des Patienten auf der Dose vermerkt, was meines Wissens sehr wohl gemacht wird.

TomKB
15.12.2017, 10:34
Lt. Meiner Krankenkasse, Abteilung Arzneimittelgenehmigungsstelle, habe letzte Woche Verhandlungen mit dem Apothekerverband stattgefunden bzgl. der aktuellen Preispolitik für Cannabisblüten.
Die Verhandlungen sind gescheitert, der Apotheker erband war nicht bereit, sich hier auch etwas zu bewegen, sprich den Preis nach unten zu korrigieren.

*Kopfschüttel

kanna
16.12.2017, 15:31
"Kennzeichnen" ist wohl, wenn die Apotheke den Namen des Patienten auf der Dose vermerkt, was meines Wissens sehr wohl gemacht wird.

Kann ich so bestätigen, hält sich aber nicht jede Apotheke dran :)