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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kein Kassenarzt



Wunderkind
15.11.2017, 10:10
Hallo,
ich wurde bisher von einem Facharzt ohne Kassenzulassung privat behandelt.
Er hat mir nun ein Attest mit der Empfehlung zur weiterbehandlung mit THC Blüten mit kostenübernahme durch die GKV ausgestellt.
Einen Arzt selbst muss ich jetzt noch suchen, der das dann auch so macht.

Meine Frage wäre, wieviele Ärzte muss ich eigentlich aufsuchen bzw. was kann ich eigentlich tun, wenn ich keinen Kassenarzt finde? Zu weite strecken kann ich aufgrund meiner Krankheit nicht zurücklegen, ich bin nicht Mobil und kann mit meiner kleinen Rente auch meinen Privatarzt kaum noch bezahlen und bis zu 120€ für 5g sind nicht mehr drinn.

VG
Wunderkind

TomKB
15.11.2017, 21:09
Tja, du wirst suchen und suchen und suchen müssen, bis du einen Kassenarzt gefunden hast. das Ganze scheint nach wie vor für uns Patienten ein Glücks- und Suchspiel zu sein. Selbst mein Arzt, der in den letzten 20 Jahren immer offen für alternative Therapien und über den ich schon vor über 10 Jahren die volle Unterstützung wg. Dronabinol hatte, ist nur noch genervt, da unter anderem sämtliche Hausärzte und andere Fachärzte hier ihre Patienten versuchen zu ihm abzuwälzen, abgesehen von pro Tag!!! an die 10 Freizeituser, die versuchen, über ihn an ein Rezept zu kommen. Der Arbeitsaufwand/Bürokratie scheint bei gleichzeitig ziemlich mieser Vergütung immer mehr zu werden.
Dies wiederum wirkt sich auf die Behandlung und auch die Ausstellung von Rezepten für alternative Sorten aufgrund der massiven Lieferprobleme bei Bestandspatienten aus, was wiederum zu zusätzlicher Arbeit, Bürokratie und Ärger mit KK und Arzt führt, der auf meinem Rücken im Endeffekt ausgetragen wird bzw. um den ich mich als Patient zwischen KK und Arzt kümmern muss und versuchen muss, trotz Genehmigung für alle Sorten darum zu kümmern und hier eine Lösung bei KK und Arzt zu finden..
Es ist nach wie vor so, dass sich kaum jemand wirklich auskennt, egal ob Arzt, Krankenkasse oder Patient bzw. das alles im Zusammenhang mit Medizinalhanf ein einziges Chaos ist, was alle zunehmend verunsichert und zusätzliche Arbeit für alle bedeutet und ich immer öfter höre: Schnauze voll! (Und mir geht's ehrlich gesagt nicht wirklich anders...)

ich wünsche dir viel viel Glück bei der Suche und dem ganzen Procedere mit allen Beteiligten!

TomKB
13.12.2017, 21:17
Tja, habe heute von meinem Arzt "ausnahmsweise" nochmal ein Rezept (war gerade mal das 2.) bekommen. Ab Januar kriege ich keins mehr bzw. Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen, die ich irgendwie schauen muss, hinzukriegen, ist aber im Endeffekt zum Scheitern verurteilt. Sie seien inzwischen von der ganzen Cannabissache "maximal genervt". Somit ist meine Therapie, kaum dass ich sie beginnen konnte, in maximal 4 Wochen schon wieder beendet.
Macht unheimlich Spaß, wenn man gleichzeitig gesagt bekommt, dass es im Endeffekt keine Behandlungsmöglichkeiten mehr gebe bei meinem hochgradig chronifizierten Status.

Der Grund für diese 180 Grad Wende bei meinem Arzt sei zum einen ein unglaublicher bürokratischer Aufwand, all die anderen Ärzte hier in München, die all ihre Patienten zu ihm versuchen, abzuwälzen und der absolute Hauptgrund ist die KVB, die kassenärztliche Vereinigung Bayern. Diese hat ihren Mitgliedern mitgeteilt, dass die Kassen anfangen würden aufgrund der zunehmend enormen Kosten (die Jahreskosten könnten pro Patient bis zu 20.000 Euro ausmachen) an Kostendämpfung zu laborieren und dies dazu führen könne, dass sämtliche Ärzte, die Rezepte für Cannabisblüten ausstellen bei vorliegender Genehmigung, trotzdem von den Kassen im Rahmen von zukünftigen Wirtschaftlichkeitsprüfungen in Regress genommen werden könnten und das werde er nicht hinnehmen bzw. nicht auf sich zukommen lassen. Daher gibt es ab sofort für alle betroffenen Patienten in dieser Praxis kein Rezept für Cannabisblüten mehr. Die Patienten können sich auf Sativex oder alternativ Drobabinol wieder einstellen lassen, allerdings auch nur nach wiederum neuer Genehmigung durch die Kassen.
Er ist nur bereit, weiter Rezepte für Blüten auszustellen, wenn ich als Patient es hinkriege, dass mir die Kasse explizit schriftlich bestätigt, bei vorliegender Genehmigung keinen Regress geltend zu machen, sowohl jetzt als auch zukünftig.
Mein Kasse hat mir heute bereits mitgeteilt, dass sie eine solche Erklärung nicht abgeben wird, da ja schließlich, wie in meinem Fall, eine unbefristete Genehmigung für alle Sorten vorliege.

Ich denke, ihr könnt euch vorstellen, wie's mir gerade geht.

moepens
14.12.2017, 08:52
Die Angst des Arztes ist ja verständlich, vor allem wenn bei sehr vielen Patienten das Risiko steigt. Prinzipiell ist die Gefahr aber fast immer gegeben, vor allem beim no-label-use (Blüten) oder auch beim off-label use (Sativex und Dronabinol). Das war auch schon vorher so.

Vielleicht findest du ja jetzt einen anderen Arzt, der bereit ist einen Patienten mit bereits bestehender Verordnung zu therapieren? Die Ärzte dürften in so einem Fall aufgeschlossener reagieren.

TomKB
14.12.2017, 09:44
Aus unternehmerischer bzw wirtschaftlicher Sicht kann ich das voll und ganz nachvollziehen.
Das Risiko, dass die Kassen trotz ausgesprochenen Genehmigungen wie hier in Bayern befürchtet, trotzdem in naher Zukunft wg. Fehlender Wirtschaftlichkeit versuchen, sich einen großen Teil der Kosten über Regress wieder zu holen, kann sehr schnell zum Ruin des Arztes führen.

Was mich am Meisten "ankotzt", dass das wieder auf unseren Rücken und zu unseren Lasten ausgetragen wird. Wir sind wieder die Dummen bei der gsnzen Angelegenheit.
Selbst wenn ich einen anderen Arzt finde, was äußerst schwierig im tifschwarzen Bayern ist, müsste ich dann erst mit meiner Krankenkasse verhandeln, da ich zwar eine unbefristete Genehmigung habe, die aber Arztgebunden ist.
Naja, wir Schwer chronisch kranken Patienten haben ja sonst nix zu tun, also geht halt etwas Zeit für diesen erneuten Mist drauf, Ergebnis bleibt natürlich offen

TomKB
15.12.2017, 10:24
Ich möchte euch über diese Sache weiter informieren, denn unter dem Strich betrifft dies JEDEN gesetzlich Versicherten, der eine Genehmigung bzgl. Verordnung von Cannabisblüten hat.

Welche Intension hier tatsächlich dahinter steht, kann man nur spekulieren.
Tatsache ist aber, dass zumindest schon mal hier in Bayern die Kassenärzte durch die kassenärztliche Vereinigung Bayern im Endeffekt durch die Blume gesagt kriegen: "am Besten hört ihr sofort auf, allen Patienten mit dieser Genehmigung Cannabisblüten zu verschreiben, denn es könnte durchaus sein, dass ihr im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung in Regress genommen werdet. Ihr seid nun mal zur wirtschaftlichen Verordnung verpflichtet und das wird euch alle wirtschaftlich ruinieren!"

Wie diese wirtschaftliche Verordnung aber aussehen soll, steht in den Sternen, sprich ich konnte im Detail nichts hierzu finden.
Mit einer solchen Ansage der KVB wird hier in Bayern kein einziger Kassenarzt mehr seinen Patienten mit Genehmigung ein Rezept mehr ausstellen und natürlich auch jeden Versuch seiner Patienten auf Unterstützung bzgl. Antragstellung im Keim ersticken bzw. von Haus aus ablehnen.

Mein Arzt fordert, um sich abzusichern, eine Regressverzichtserklärung, die es noch nie von irgendeiner Krankenkasse in welchen Zusammenhang auch immer, gegeben hat, schon gar nicht nach einer erfolgten Genehmigung im Zusammenhang mit sog. "Off-Label-use" Medikamenten. Somit ist die Forderung meines Arztes unerfüllbar und aus dem Baum, den er mir zwischen die Beine geworfen hat, ist ein Kontinent geworden, auf dem es nur Bäume gibt, über die ich irgendwie drüber kommen soll.

Höchst erstaunt war ich über die Menschlichkeit, Kompetenz und die Fachkenntnisse meiner Krankenkasse, explizit der Abteilung Arzneimittelgenegmigungsstelle, im Zusammenhang mit dem ganzen Gesetz bzgl. Cannabisverordnung. Wirklich helfen mir das aber auch nicht.

Wie geschrieben, die Forderung nach so einer Verzichtserklärung ist für mich als Patient unerfüllbar. Meine Genehmigung ist noch dazu Arzt gebunden, also selbst wenn ich den Lottojackpot knacken würde, nämlich einen anderen Arzt zu finden, der mir die Rezepte trotz des von der KVB kolportierten Damoklesschwerts des Regresses ausstellen würde, so würde die ganze Geschichte trotzdem unweigerlich von Vorne anfangen. Auch ist klar wie jeder Arzt erst mal teagiert, wenn ich als neuer Patient bei ihm aufschlage und dann auch nur nach einer Verordnung für Cannabisblüten fragen würde. Das Thema Arztsuche kenne ich zu Genüge. Nach dem plötzlichen Tod meines langjährigen Hausarztes habe ich 3 Jahre !!! gebraucht, um einen neuen Hausarzt zu finden, der sich bereit erklärt hat, mich als schwer chronisch Kranken zu betreuen.

Die Krankenkasse hat trotzdem meinem Arzt geschrieben, wo sie zwar einerseits erklärt, dass so eine Erklärung wie gefordert nicht erfolgen kann, diese aber auch überhaupt nicht notwendig ist und dies auch (bzgl. angeblichen Regress) mit der kassenärztlichen Bundesvereinigung so auch allgemein kommuniziert worden sei.
In meinem Fall sei es vom MDK eindeutig befürwortet, dass aufgrund meiner ganzen Krankengeschichte und dem nachweislichen Umstand, dass das seit gut 15 Jahren bisher verschriebene Dronabinol nicht mehr wirke und somit die Therapie mit Cannabisblüten klar angezeigt sei und ich unter allen Gesichtspunkten daher auch natürlich die Voraussetzungen hierfür erfülle.

Nach der Darstellung der KVB betrifft diese Gefahr ALLE MEDIKAMENTE, die auf Cannabis aufbauen! Somit könnte der in den Raum gestellte Regress alle Rezepte im Zusammenhang mit Cannabispräparaten betreffen, da diese ja alle in das Budget des Arztes fallen.
Ich konnte allerdings keinen einzigen Beweis finden, dass auch nur eine einzige Krankenkasse nach erteilter Genehmigung dann im Nachhinein mit einer Regressforderung den Arzt beleg bzw. belegt hat.

Ich frage mich ernsthaft, welche tatsächlichen Interessen hier die KVB wirklich verfolgt.
Nachdem es ja immer nur um's Geld geht, werde ich als Patient mal wieder abserviert und mit dieser abstraken Gefahr des Regresses im Nacken interessiert den Arzt nicht mehr sein Patient, sondern nur noch seine eigenen wirtschaftlichen Interessen, durchaus unternehmerisch nachvollziehbar.
Es bleibt nun abzuwarten, ob meinem Arzt die Erklärung meiner Krankenkasse ausreicht oder ob er weiter auf seiner von Haus unerfüllbaren Forderung nach dieser Regressverzichtserklärumg, die ich als Patient beizubringen habe, weiter besteht.
Für mich heisst das somit: ab Mitte Januar zurück zu meinen massiven extrem schmerzhaften Krämpfen Nacht für Nacht, wieder kaum Schlaf mit allen negativen Folgen und und und. Von der psychischen Belastung von diesem ganzen Schwachsinn und den daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen, dem immensen Zeitaufwand und Rückschlag mal gar nicht gesprochen.